Gute Omen, schlechte Omen

Good Omens ist eine neue Serie nach einem Buch von Terry Pratchett und Neil Gaiman. Vielversprechend. Ein Traum-Autorenduo. Weiter angeheizt wurde der Nano-Hype dadurch, dass bescheuerte Christen (es soll auch nicht bescheuerte geben, hab ich gehört) eine Petition starteten, um die Ausstrahlung zu verhindern, und diese prompt beim falschen Sender einreichten. Der Plot mit den widerwillig zusammen arbeitenden zwei Übernatürlichen, einem Engel und einem Dämonen, die gemeinsam und durch eigenen Beschluss das Ende der Welt aufhalten wollen, klingt zwar gut, funktioniert aber nicht. Weil meine fave Blogs alle von der Serie ge-raved haben, wie gut sie sei etc, hab ich mir den Pilot angesehen und im Geiste mit anderen Götter- und Dämonenserien (The Good Place, American Gods) verglichen. Verdict: Schwach. besonders der Humor kommt wirklich viel zu brav rüber. Das mag schön für die Einschaltquoten sein, macht Good Omens aber auch repetitiv und langweilig. Ich warte lieber auf die dritte Staffel von American Gods. Danke.

Ölkonzerne wussten schon 1982 von der Klimakatastrophe

Dokumente, die InsideClimate vor drei Jahren aus den Archiven der Ölkonzerne befreiten, werden heute immer noch ausgewertet. Hier ist eine Grafik, die zeigt, dass Ölmulti Exxon vor 37 Jahren die Entwicklung ganz richtig einschätzte. Wir haben heute eine Erderwärmung von einem Grad gegenüber der prä-industriellen Zeit, und einen CO2-Wert von 415 ppm. Allerdings gaben sich die Fossilmilliardäre damals erhebliche Mühe, die Welt vom Gegenteil zu überzeugen, und versuchen das bis heute. Wie kann man so verantwortungslos sein? Indem einem alles und jeder egal ist, ausser dem eigenen schrankenlosen Luxusleben. via earther

Come, forest, take my soul

Ich gebe es offen zu: eigentlich wohne ich im Internet. Trotzdem ist meine physische Version, mein Avatar im Meatspace (zentraleuropäischer Server), oft mit dem Rad in den wenigen wirtschaftsfernen Teilen meiner alten Stadt unterwegs. Im Wald, wo Bäume umfallen und liegenbleiben, weil sie niemand wegräumt, wo Kanäle mit überwucherten Ufern das Wasser vergangener Industriezeiten in den Fluss zurückbringen, wo dir klar wird, dass diese Orte deinen Avatar wieder mit Ruhe und Gesundheit aufladen. Immer wieder, wenn du willst. Allerdings will der Wald etwas dafür: deine Seele. Wie gut, dass man die im Internet gar nicht braucht. Nimm sie, Wald, behalte sie. Du hast bessere Verwendung als ich am Bildschirm. Weil ich schon oft versucht hab, sie anzuklicken, und nie etwas mit der Maus markieren konnte. Guter Tausch, Wald, ich bin dabei. Bis bald, Wald. Warte auf mich. Weiterlesen

Plastikmüllvideo der Woche

Ja, Tiervideos. Mit Plastikmüll. Das ganze Plastik kommt übrigens von hier, aus der ersten Welt, und schwimmt nur deswegen im Pazifik statt vor unserer eigenen Küste, weil wir es dort hin bringen. Wir müssen damit aufhören. Ein Weg dorthin ist, nichts mehr zu kaufen, dann wird die ganze Herstellungs- und Transportkette ärmer an Plastik. Ein anderer Weg ist, wählen zu gehen. Die ganzen Fridays-For-Future-Demos bringen zwar Aufmerksamkeit für die wirklich wichtigen Themen, inter­essieren unsere bürgerlichen Regierungen aber einen feuchten Scheissdreck. Vielleicht können wir unseren Freunden und Verwandten im Bürgertum aber irgendwann erklären, dass sie diese Welt kaputt machen (und zwar sehr zügig), wenn sie weiter diese bürgerlichen Parteien wählen und Konsum weiter für ein Ideal halten. Inzwischen hoffen wir, dass die Krabbe im Video schnell wächst und sich bald ein neues, grösseres Haus ohne Plastik sucht. geekologie

4 Tools zum Musik finden

Ich weiss, als Blogger muss man heute „Du wirst nicht glauben, wie diese vier…“ als Headline platzieren. Mir egal. Ich mochte Tuneglue sehr gerne, aber das funktioniert nicht mehr. Was also tun, wenn man nicht den voreingenommenen Algorithmen von YouTube oder Spotify ausgeliefert sein will? Ich hab mich nach Musik­empfehlungs­tools umgesehen, die auf dem PC (nicht nur als Smartphone-App) laufen und tatsächlich Ergebnisse bringen. Hier sind vier, die ich empfehlen kann: Weiterlesen

Der Neoliberalismus als langfristiges Projekt: David Harvey

Warum wird das Leben für fast alle Leute auf dem Planeten jedes Jahr ein klein bischen härter, aber gleichzeitig für sehr, sehr wenige sehr schnell sehr viel besser? Warum sinken Reallöhne, wenn man die reale Preissteigerung ohne Luxusgüter ansetzt, während die Milliardäre ständig, also zunehmend, mehr einnehmen? War das schon immer so? Gibt es geschichtliche Fakten dazu, Zahlen, die wir vergleichen können? Ja, aber sicher doch. David Harvey, der somewhat führende Sozialtheoretiker unserer Tage, erklärt das alles in verständlicher Form und in zahlreichen Publikationen. Drüben im Jacobin ist gerade ein Interview mit dem inzwischen 83jährigen Visionär online. Darin sagt uns David (hier eine Laudatio zum 80sten im Neuen Deutschland), der übrigens den völlig fantastischen Twitter-Account Humans Of Late Capitalism betreibt, als Weiterführung des Marxismus mit Katzenbildern, dass Neoliberalismus ein Jahrzehnte währendes Projekt der Milliardäre (a.k.a Kapitalisten, a.k.a. besitzende Klasse) ist, mit dem Ziel, die progressive Entwicklung der Nachkriegszeit in der 50ern, 60ern und 70ern des 20sten Jahrhunderts, die Erstarkung der Gewerkschaften, der Frauen- und der Friedensbewegung zu zerschlagen und die ungehemmte Bereicherung der Wirtschaftselite zu garantieren. Lest selbst: jacobin, pic readingcapital cc by

Wirtschaftliche Menschenrechte fehlen noch

Ja, natürlich garantiert die Menschenrechts-Charta auch das Recht auf wirtschaftliche Betätigung, gerechte Entlohnung, freie Entfaltung, Rechtssicherheit. Aber in der Umsetzung hapert es. Am besten läuft es in den skandinavischen Ländern, am schlechtesten in den ‚failed states‘ unseres Planeten (Somalia, USA, etc) oder in den Prekariatsschichten aller Länder. Und deswegen stellt einer der grossen Vordenker unserer Ära, der unabhängige US-Politiker Bernie Sanders, eine ‚New Economic Bill of Rights‘ auf, die festschreiben soll, dass alle Menschen (er spricht zunächst von seinem eigenen Land) auch wirtschaftliche Grundrechte haben sollten, nämlich das Recht auf einen anständigen Job mit einem Einkommen, das ein anständiges Leben ermöglicht, ein Recht auf vollständige Gesundheitsfürsorge, ein Recht auf kostenlose Bildung, ein Recht auf bezahlbares Wohnen, ein Recht auf eine saubere Umwelt und ein Recht auf eine sichere Rente. Da hat Bernie vollkommen Recht, und nicht einmal in unserem, superreichen Land ist all das garantiert – und muss deswegen als Grundrechtecharta eingeführt werden. Das können wir dann gerne ‚demokratischer Sozialismus‘ nennen, das schadet dann auch nichts. Hauptsache, allen Leuten geht es gut. via truthout, pic AFGE cc by