Wo das Copyright endet

Obwohl wir in den letzten Jahren eine anhaltende Ausdehnung der „geistigen Eigen­tumsrechte“ erleben, gibt es immer wieder Anzeichen von Vernunft. Zum Beispiel Richter, die einen Anspruch auf geistigen Besitz an irgendetwas Beliebigem stoppen. So wie im konkreten Fall Michael W. Fitzgerald am Bezirksgericht Zentral-Kalifornien, der gerade eine Klage der Songwriter Sean Hall und Nathan Butler gegen das Pop-Sternchen Taylor Swift zurückgewiesen hat. Weiterlesen

Warum Urheberrecht nicht funktioniert: Weisses Rauschen

Urheberrecht, oder Copyright, ist wie ähnliche Immaterialgüterrechte (Marken, Patente) mittlerweile zu einem wirtschaftlichen Monster geworden. Obwohl es ja irgendwann mal dafür gedacht war, und in der Vorstellung vieler immer noch dafür da ist, Urhebern, also Künstlern und Wissenschaftlern, ein Auskommen zu verschaffen. Was aber im selben Moment zur Illusion wurde, als man dieses Recht an der eigenen Schöpfung zu Handelsware deklarierte, die einfach so gegen Geld ihren Besitzer wechseln kann. Im anglophonen Rechtsraum vollständig, in Kontinentaleuropa nur in Form der Vertriebsrechte, was aber in der Praxis keinen gravierenden Unterschied bedeutet. Ein fantastisches Bespiel für dieses einfach nicht funktionierende Konzept des Urheberrechts liefert dieser Tage der australische Musikwissenschaftler Sebastian Tomczak. Weiterlesen

Downloading Kills Deathstars

download_deathstar

Wie wahr. Ob man die Baupläne für einen faschistischen, imperialen Todesstern herunterlädt oder die Kulturdaten aus den geistigen Geldspeichern der Konzerne, es ist ein Akt der Rebellion. pic via kth

Das Ende der freien Presse (wie wir sie kennen)

facebook_screen

Wir hören unablässig, dass die freie Presse durch das Internet zerstört würde. Wes­wegen man Abscheulichkeiten wie das Leistungsschutzrecht einführen müsse, das auch den blossen Händlern von geistiger Leistung, also Verlagen und Medien­konzernen, ein neues, frisch ausgedachtes Recht am Weiterverbreiten von Über­schriften und Zusammenfassungen geben müsse. Was ja nichts mit dem Recht des Urhebers am eigenen Werk zu tun hat, schon weil Über­schriften im einfach ver­ständ­lichen Gegensatz zu Romanen, Filmen oder Opern keine urheberrechtlich schütz­baren Werke sind, sondern nur Teile von simplen Sätzen. Bizarr, ja, aber doch ein klarer und direkter Ausdruck der Verwirrung, die von der aktuellen technischen Veränderung unserer Lebensgrundlagen ausgelöst wird. Weiterlesen

In Kuba kommt das Internet einmal pro Woche ins Haus

El Paquete Semanal, das Wochenpaket, ist eine schattenwirtschaftliche Institution im freien Kuba, wo die Abwesenheit des US-Imperialismus mit Unannehmlichkeiten wie de facto fehlendem Internet erkauft wird. Prompt laden technikaffine Enkel der Revolution allwöchentlich die neuesten Filme, Musik-MP3s, Apps, Soaps, Webmagazine auf eine mobile Festplatte und laufen die Runde ihrer Abonnenten ab. Einmal pro Woche Surfen ist besser als garnicht, oder? Und zwei Peso convertible – das wären etwa 50 Peso cubano oder zwei US-Dollar und damit etwa 7% des durchschnittlichen Monats-Nettoeinkommens – für ein TeraByte Unterhaltung und Information ist ein guter Deal, zumal die Grundbedürfnisse im sozialistischen Kuba stark subventioniert sind. Natürlich funktioniert das alles nur, wenn man sowohl den staatlichen Anspruch des Informationsmonopols als auch den privatwirtschaftlichen des Copyrights ignoriert. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die kubanische Regierung das Ganze irgendwann legalisiert, und ich könnte mir auch vorstellen, dass dann eine geringe Gebühr oder Steuer erhoben wird, die dann den Urhebern zu fliesst. Wenn sie nicht vorher von den Handelskonzernen gefressen wird. vox via kottke

Tageszeitung weitergeben verboten: Copyright in analog

Cafe_fez

Copyright besteht, das haben wir in den vergangenen Jahren schon diskutiert, vor allem aus immer wieder neu erfundenen Rechten, die zu immer neuen Monopolen führen. Also dem Gegenteil von freier Wirtschaft (und dem Gegenteil von freier Kunst). Die immer waghalsigeren Versuche, solche Kartelle und Monopole zu etablieren, waren uns bisher fast nur aus dem digitalen Bereich bekannt. Jetzt sehen wir am Beispiel des von der Sonne geliebten nordafrikanischen Landes Marokko, dass es auch anders geht. Dort verkündete der neue Kommunikationsminister, der früher als Chefredakteur bei einer marokkanischen Tageszeitung arbeitete, dass den nationalen Zeitungsverlagen jährlich Verluste von 150 Millionen US-Dollar entstehen würden, was man nun abstellen wolle. Weiterlesen

Wie man das Youtube-Copyright-Regime hackt

Gamesjournalist Jim Sterling vom womöglich weltbesten Gamingblog Rock Paper Shotgun hat sein Vlog The Jimquisition genutzt, um das nervige Youtube-Copyright-Regime zu hacken. Auf der weltgrössten Videoplattform ist es nämlich für Konzerne sehr leicht, mit dem Copyright-Argument Videos und deren Werbeeinnahmen für sich zu beanspruchen. Im Fall eines Gaming-Vlogs ist es nahezu unmöglich, über Spiele zu berichten, ohne dass deren Rechteinhaber auch das Vid kapern und Ads dazuschalten. Fies. Jim umgeht aber die lästigen davorgeschalteten Advertisements damit, dass er mehrere Copyrightkonzerne gegeneinander ausspielt. Er zeigt nicht nur mehrere Games unterschiedliche Hersteller, sondern spielt im Intro auch noch einen Popsong an, so dass die widerstreitenden Copyrightanspüche der beteiligten Konzerne seinen scharfzüngigen Videobeitrag werbefrei halten. Ok – er selber hat auch keine Einnahmen aus seiner Arbeit, aber das sollten wir als Bewohner eines kapitalistischen Staatenbundes inzwischen gewöhnt sein. In the meantime: Cheers für Jim, dem Copyrighthelden des Tages! via kotaku