Patientenverfügung für Corona-Skeptiker: Bitte nicht beatmen

Der Schweizer Gesundheitsökonom Willy Oggier schlägt in einem aktuellen Interview mit der „Basler Zeitung“ vor, sogenannten „Corona-Skeptikern“ im Covid-19-Er­krank­ungsfall keine intensivmedizinische Versorgung zu geben, falls es zu Engpässen kommt. „Ich finde es fairer, wenn der selbsternannte Corona-Rebell das Nachsehen hat, als wenn es einfach den ältesten Patienten im Raum trifft“, erklärt er weiter. Der Experte hat da sicher einen Punkt – warum sollen Menschen behandelt werden, die aktiv zu Ansteckung und Verbreitung des Virus beigetragen haben, indem sie entweder ungeschützte Treffen hatten oder die Gefährlichkeit der Pandemie öffentlich leugneten? Im Notfall, wenn die Intensivstationen überfüllt sind, müssen Ärzte ent­scheiden, wer weiter beatmet wird und wer sterben muss. Damit die Entscheidung dafür beim Einzelnen bleibt und die individuelle Freiheit so wenig wie möglich ein­geschränkt wird, sollten die sogenannten „Corona-Skeptiker“ doch einfach Pa­tien­ten­verfügungen ausfüllen und mit sich führen, damit sie nicht versehentlich im Kranken­haus wegen Covid-19 behandelt oder gar beatmet und gegen ihren Willen am Leben gehalten werden. via tagesspiegel

pic Philipp Lensing cc by sa

Was kann ich noch tun: Thermometer

Ja, richtig: Die Körpertemperatur kontrollieren ist eine gute Idee. Trotz schauriger Erinnerungen an meine Kindheit, wo quecksilberhaltige Fieberthermometer am liebsten da steckten, wo ich sie am wenigsten haben wollte. Der Fortschritt macht auch hier keine Ausnahme: Für 3,45 Eurelien gibt es beim Drogeriemarkt meines Vertrauens (der, dessen Chef seine Auszubildenden auf Theaterkurse schickt und öffentlich über Grundeinkommen sinniert, nicht der, dessen Gewinne zu Teilen an Neonaziparteien gespendet werden) ein digitales Thermometer (pic von mir, cc by sa), das von der Stiftung Warentest als genausogut wie die übrigen bewertet wird, die auch gerne ein Mehrfaches kosten. Abweichung maximal 0,1°C. Die Handhabung ist denkbar einfach: Das Coronameter einschalten, in den Mund nehmen, unter die Zunge, ein paar Sekunden warten, bis es piept, dann die Temperatur ablesen. Aha, 36,5°C, das ist ok. Wenn die mal über 38 springt, hat man Fieber, dann wäre ein Test eine gute Idee. Wollt ihr euch nicht auch alle sowas besorgen, um die öffentliche Sicherheit in Zeiten der Pandemie zu erhöhen? Mit Jana aus Kassel können wir dabei wohl nicht rechnen, aber die meisten Leute sind ja nach wie vor vernünftig.

Meanwhile auf der Intensivstation

Die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen hat sich auf einem hohen Wert eingependelt, was aber nicht heisst, dass jetzt irgendwas gut wäre. Nach wie vor stecken sich in der Bundesrepublik jeden Tag 15-20.000 Leute mit diesem tückischen Virus an. Folge: Die Intensivstationen laufen voll. Noch sind wir nicht so weit, dass Ärzte entscheiden müssen, wer beatmet wird und wer nicht, aber das Pflegepersonal ist bis zum Burnout überarbeitet und teilweise schon selber infiziert, und die Belegung der Intensivbetten nimmt weiter zu. Die anschauliche Grafik oben stammt vom Bayrischen Rundfunk, nach Zahlen des DIVI-Intensivregisters. Also: Abstand halten, Masken tragen, Hände waschen. Es ist noch nicht vorbei, aber wir schaffen das. Bleibt gesund.

Mal unter uns: Was ist da los mit diesem Corona?

Was in Deutschland im Jahr 2020 am meisten diskutiert wird, ist die Covid-19-Krankheit mit ihren Auswirkungen. Durch die notwendigen Hygienemassnahmen wie Abstand halten und das Tragen von einfachen Mundnasenschutzmasken fühlen sich viele Menschen in unserem Land verunsichert und eingeschränkt. Wir alle sehnen uns zurück zu einem Leben, das mehr Gemeinschaft, mehr Lebensfreude und weniger Angst vor einem unsichtbaren Virus enthielt. Manche von uns lassen sich deswegen von Propaganda aus dunklen Quellen noch weiter verunsichern und richten ihren Ärger gegen die Überbringer der schlechten Nachrichten, die Ärzte, Wissenschaftler, Vertreter der Öffentlichkeit. Das ist einerseits verständlich, bewirkt andererseits aber das Gegenteil dessen, das wir alle wollen. Weiterlesen

Happy Birthday, SarsCov2!

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, hat unser derzeitiger Lieblingsvirus, liebevoll auch „Corona“ gerufen, sein erstes Lebensjahr vollendet. Am 17. November 2019 (also vorgestern at the time of writing) wurde der erste Fall der neuen Covid-19 Krankheit in der chinesischen Hubei-Provinz dokumentiert. Seither jagt diese neue Pest um den Globus, bringt Hunderttausende (bald Millionen) von Menschen um und spaltet die Gesellschaft in eine Mehrheit von Vernünftigen, die auch unter Stress nicht vergessen, dass unsere Zivilisation, unser Wohlstand und unsere Sicherheit auf Wissenschaft beruhen – und eine Minderheit, die sich krampfhaft am Glauben festklammert, dass doch in Wirklichkeit alles nicht so wäre, dass es keinen Virus gäbe, oder dass er nicht so schlimm sei, oder dass man doch gar keine Masken tragen müsse, weil diese doch eigentlich wirkungslos seien, dass man sein gewohntes Leben gar nicht ändern müsse. Diese Minderheit fällt einer menschenverachtenden Propaganda zum Opfer, nachgewiesenermassen produziert von den Think Tanks (PR-Agenturen) der Milliardäre, die keine noch so winzige Schmälerung ihrer Profite hinnehmen wollen. Und jetzt die gute Nachricht: Wenn erst einmal eine ausreichend grosse Anzahl, also rund 70 %, gegen Covid-19 geimpft ist, sind die Übertragungs­ketten unterbrochen und die Pandemie vorbei. Das wird womöglich erst 2022 erreicht sein, aber dann haben wir unser „normales Leben“ zurück. Die wenigen Prozent Propagandaopfer in der Bevölkerung werden damit schon irgendwie klarkommen. Happy Birthday, Baby Corona! pic chetmakes1 cc0

4.721 neue Covid-19-Fälle, Streeck warnt vor Nachlässigleit

Angesichts von 4.721 gemeldeten neuen Covid-19-Infektionen und weiteren 15 Toten innerhalb eines Tages warnt auch der bekannte deutsche Virologe Streeck wie schon seine Kollegen Dr. Drosten von der Charite und Prof Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts, vor Nachlässigkeit. In einem Interview mit der Deutschen Welle erklärte er: „Wir wissen, dass die AHA-Regeln, also Abstand halten, die allgemeinen Hygiene­regeln beachten und Alltags-Maske tragen, eine Wirkung haben und dass wir dadurch Infektionen verhindern können. Weiterlesen

Was sind überhaupt Verschwörungstheorien?

Vor allem von der Corona (a.k.a. Covid-19) Epidemie ausgelöst, aber in früheren Jahren auch durch die künstlich geschürte Angst vor Ausländern und die Islam­feind­lichkeit, davor die Impfparanoia (jetzt mit Bill Gates als Feindperson) und über Jahr­hunderte hinweg Antisemitismus (eine Verbindung aus christlicher Allein­stel­lungs­fantasie, Rechtfertigung des Kolonialismus durch Erfindung einer „überlegenen weissen Rasse“ und simpler wirtschaftlicher Konkurrenz), sind „Verschwörungs­theorien“, wie sie heute oft genannt werden, ein allgemeiner Grund für Kopf­zerbrechen. Zunächst ist die Bezeichnung „Theorie“ hier ungenau. Eine Theorie ist eigentlich die ordnende Zusammenfassung sehr, sehr vieler nachprüfbarer Fakten, so dass wir eher von Verschwörungsmythen sprechen sollten. Weiterlesen

Covid-19: So sieht also die zweite Welle aus

Mit 2297 Neu-Infektionen innerhalb eines Tages (von gesamt 270.070) und sechs neuen Todesfällen an einem Tag (von gesamt 9.384) haben wir einen traurigen, neuen, zweiten Covid-19-Höhepunkt erreicht. Nicht so schlimm wie im März (aber das will auch wirklich niemand) aber trotzdem ein Zeichen dafür, dass wir wieder nachlässig geworden sind. In etwa seit Beginn der Urlaubssaison gehen die Zahlen wieder nach oben. Also der Zeit, in welcher Menschen in anderen Länder fliegen, sich dort betrinken und gegenseitig ablecken (oder schlimmeres). Ja, 9 von 10 Bürger*innen finden die Corona-Hygienemassnahmen auf Nachfrage richtig, 3 von 10 würden noch mehr Hygiene begrüssen, nur einer (von 10, wahrscheinlich männlich, mittleren Alters, nach Eigenansicht vom sozialen Abstieg bedroht) findet das alles übertrieben. Dieser eine, von einer hochtourigen Propagandamaschine mit Scheinargumenten versorgt, ist das Problem: wenn einer von 10 sich der Solidarität verweigert, hat so ein Virus immernoch mehr Auslauf als gut für uns ist. Wahrscheinliche Entwicklung der nächsten Wochen und Monate: Die Realitätsverweigerer werden sich weiter der Realität verweigern, die Infektions- und Todeszahlen werden weiter ansteigen, die Schäden für Wirtschaft, Bildung, Kultur werden weiter zunehmen. Solange bis endlich ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stehen. Diese werden dann von den Realitätsverweigerern nich angenommen, was aber in diesem Fall nicht so schlimm ist, weil ja dann nur noch die Besserwisser und Wirrköpfe sterben, nicht mehr die Verantwortungsvollen. Aber bis dahin werden wir eine harte Zeit haben, mit vielen Einschränkungen, die wir dann einer kleinen Gruppe von unsozialen Individuen verdanken. Vielleicht lernen wir (9 von 10) ja daraus.

Stand der Forschung: Covid-19 ist eine Gefässkrankheit

Eine massive Untersuchung von 40.000 Gensequenzen aus 17.000 Proben durch den Summit Supercomputer am Oak Ridge National Lab in Tennessee ergab, dass der SarsCov-2 Virus in erster Linie die Ausschüttung von körpereigenen Stoffen wie Bradykinin bewirkt, die unsere Adern undicht machen, so dass Stoffe in falsche Gegenden des Körpers gelangen können. Lungen füllen sich mit Flüssigkeit, die dann geliert und ein Atmen selbst mit Sauerstoffgeräten unmöglich macht, Organe entzünden sich, das Gehirn erhält falsche Lieferungen und entwickelt neurologische Probleme. Ein Lösungsweg könnte daher sein, das Bradykinin-Ungleichgewicht zu adressieren, um den infizierten Körper vor den mitunter schrecklichen Folgen zu schützen. Auf jeden Fall ist Covid-19 eines nicht: Eine Grippe.

Thomas Smith, elemental. pic Anna Shvets cc0

Covid-19-Folge: Chronisch herzkranke Kinder

Ein Team von Medizinern an der University of Texas untersuchte 662 MIS-C-Fälle (Multisystem inflammatory syndrome in children, Multi-Organ-Entzündungssyndrom bei Kindern) als Folge von Infektionen mit SarsCov-2 und fand, dass keines der Kinder die bekannten Lungenerkrankungssymptome zeigte. Allerdings stellten sich nach einigen Wochen andere schwere Probleme ein, so dass 71% der Kleinen in die Intensivstation gebracht werden mussten, 60% Anzeichen eines physischen Schocks, zu 100% Fieber und zu zwei Dritteln Magendarmsymptome zeigten, die Hälfte Herzstörungen im EKG hatten, zu 22% künstlich beatmet werden mussten. Von den kleinen Patienten starben 11. Etwa ein Viertel der Kinder hatte Übergewcht, was nach Ansicht der Kinderärzte ein Risiko darstellt. Die Überlebenden haben nach Tests ein 50faches Risiko für Herzinfarkte. Auch deswegen müssen wir die Ausbreitung des SarsCov-2-Virus stoppen und alle Träumereien von einer „Herdenimmunität“ schnellstens vergessen. Schon wegen der Kinder. uthealth, pic anestiev cc0

Can’t Touch This

Ich meine, MC Hammer war ja bereits grösser als das Leben, aber Dr. Quentin J. Lee, Schuldirektor in Alambama (of all places), schlägt ihn trotzdem. Noch Fragen? via boingboing

Wie gefährlich ist der Virus grade?

Covid-19: Wir haben grade eine Ansteckungsrate von 1,25 bis 1,34. Der Wert über 1 bedeutet, die Krankheit breitet sich aus, statt zurückzugehen. Und das auch ohne neue Fleischfabrikskandale. Einfach, weil Leute sorglos werden und aus Bequemlichkeit, Nachlässigkeit oder Egoismus auf Hygiene verzichten. Der Virus bedeutet für uns alle eine richtig miese Lotterie: Sehr wenige werden schwer krank, aber dann sterben etwa ein Prozent der Infizierten, und rund ein Fünftel (20%) muss mit chronischen Langzeitschäden an inneren Organen rechnen. Dieses Risiko können wir fast völlig loswerden, wenn wir die Übertragung über die Atemluft stoppen. Mit Distanz (1,5 – 2 Meter) oder einfachen Masken. Die übrigens nicht nur andere schützen sondern auch uns selbst. Irgendwann gibt es Impfungen und Medikamente, bis dahin schaffen wir es mit Vernunft. Bleibt gesund und lasst euch nicht von der bezahlten Propaganda durcheinander bringen. pic piro4d cc0

Corona: Zahlen und Grafiken

Wenn du genau wissen willst, was gerade mit diesem Covid-19 passiert: Tomas Pueyo (ist aus Frankreich, lebt in San Francisco, arbeitet als Autor und Manager) hat die Zahlen und Grafiken zur Ausbreitung in den verschiedenen Ländern zusammen­gefasst und aufbereitet. Hier ist die deutsche Übersetzung, daraus ergibt sich ein klares Bild: Je mehr Quarantäne, desto weniger Tote. Und: Wir brauchen ein besseres Gesundheitssystem. Eines das mehr an Gesundheit und weniger an Profit orientiert ist. Glückicherweise sind morgen in meinem Bundesland Kommunalwahlen, und wir können hier mitentscheiden. Bleibt zuhause und bleibt gesund.