Was die Wähler wollen: Weniger Asylpanik, mehr Sozialpolitik

In der vergangenen Woche wurden von Infratest Dimap über 1000 Wahlberechtigte befragt, was sie eigentlich wirklich von unserer politischen Vertretung wollen. Ergebnis: Kaum jemand ausser ein paar Propagandaopfern und Rechtsradikalen will noch was von dieser Asyl- und Islampanik hören, und zwar mit weitem Abstand. Wichtig ist den Leuten dagegen eine Lösung für die wirklich akute Pflegekrise, dass wir zuwenig Geld für Schulen ausgeben, dass die Mieten zu hoch sind, dass die Energiewende so schleppend voran geht. Aber warum kümmern sich unsere ge­wählten Vertreter nicht mehr um diese Probleme? Weil das alles nicht ins kapi­tal­istische Weltmodell passt und den Interessen derjenigen Gruppen entgegensteht, die für den Grossteil der Partei- und Wahlkampfspenden verantwortlich sind. Ja, ok, dann müssen wir eben mehr anti-kapitalistische Parteien wählen, um bessere Schulen, bessere Kraftwerke, bessere Pflege zu bekommen.

Stephen Hawkings Warnung an die Welt

Die warnenden Worte stehen in einem Ask-Me-Anything-Thread auf Reddit. Ein Reddituser fragte nach dessen Meinung zur Bedrohung unserer Arbeitsplätze durch den technischen Fortschritt. Der gerade verstorbene grosse Wissenschaftler Stephen Hawking antwortete:

„Wenn Maschinen alles herstellen, was wir brauchen, wird die Situation davon bestimmt, wie wir die Dinge verteilen. Alle Menschen können ein Leben in luxuriöser Freizeit geniessen, wenn der von Maschinen produzierte Reichtum geteilt wird, oder aber die meisten Menschen enden in katastrophaler Armut, wenn die Besitzer der Maschinen sich erfolgreich gegen die Verteilung des Reichtums stemmen. Bisher scheint die Entwicklung in Richtung der zweiten Option zu verlaufen, wobei die Technologie die Ungleichheit immer weiter verschärft.“

Die Frage ist jetzt, ob wir es schaffen, diese Entwicklung umzukehren, um den unermesslichen Wohlstand der Technisierung für alle verfügbar zu machen. Nur darum geht es gerade: Demokratisieren wir die durch Automation beschleunigte Wirtschaft, oder enden wir in einem dunklen, techno-feudalen Zeitalter?

reddit via boingboing

Die Bildungs-Lüge

Bildung garantiert beruflichen und privaten Erfolg. Bildung löst alle wirtschaftlichen und kulturellen Probleme. Wir hatten gerade Bundestagswahl und die Vertreter so gut wie aller Parteien erzählten uns genau das. Tun sie sonst auch, weltweit, nur vor Wahlen besonders enthusiastisch. Nun haben Soziologen in den vergangenen Jahren in mehreren grossangelegten Studien (dh viele Teilnehmer bzw untersuchte Fälle) untersucht, wie denn nun wirklich der Zusammenhang zwischen erworbener Bildung und später erzieltem Einkommen aussieht. Überraschung: Weiterlesen

Die gefühlt unerschütterliche Macht des Kapitalismus

„Wir leben im Kapitalismus. Seine Macht erscheint unentrinnbar. Genauso wie das göttliche Vorrecht der Könige.“ Ursula K. LeGuin, die wahrscheinlich wichtigste SciFi-Autorin unserer Zivilisation, wurde gestern 88. Cheers! Das Zitat stammt aus ihrer Rede zum US National Book Awards, den sie 2014 für ihr Lebenswerk erhielt. In dieser Rede sagte sie weiter: „Alle Macht der Menschen kann von Menschen aufgehalten und verändert werden. Widerstand und Veränderung beginnen oft in der Kunst, und sehr oft in dieser Kunst, der Kunst der Worte.“ Das ist es, wofür wir Schriftsteller und andere Künstler brauchen: Widerstand gegen Macht. Alle andere „Kunst“ ist nur Dekoration und Unterhaltung. huffpo, pic unbekannte quelle

Der Kapitalismus, ein Papiertiger

Die heutige weltweite wirtschaftliche Situation hat unübersehbare Nachteile: Armut für die einen, BurnOut für die anderen. Die lachenden Dritten erhalten die Profite daraus. Kann man das ändern? Muss man dann den Sozialismus einführen? Ist dann alles wie damals in der Sowjetunion? Mal ausführlich und der Reihe nach: Weiterlesen

Ben Frost ist nicht tot

Ich bin sehr glücklich darüber, dass Pop Art doch nicht tot ist. Weil sie einen wert­vollen Kommentar zur Assimilation unserer Kultur durch den Kapitalismus bildet. Letzterer, für die zögerlicheren Denker (was ja keine Schande ist) unter meinen Lesern, ist nicht dasselbe wie Wirtschaft, sondern ein Missbrauch davon. Ben Frost hatte vor einigen Jahren eine Ausstellungsreihe mit dem Titel „Ben Frost Is Dead“. Jetzt hat er eine Serie von Illustrationen aus dem popkulturellen Zusammenhang (zB Comics) auf Fastfood-Papptüten gemalt. Was ebenfalls einen grossartigen Kommentar liefert. Bonus: Adolf Simpson und Mickey Pharma. Weiterlesen

Die Redneck Revolte gegen Faschismus und Kapitalismus

In den nach wie vor überwiegend agrarisch geprägten USA blüht derzeit eine neue Bewegung auf: Redneck Revolt. Mit dem Wort Rednecks meinen wir heute eher so etwas wie Landeier oder Hillbillies oder eben Spiesser von weiter draussen, die dem urbanen Leben eher hilflos gegenüberstehen, aber eigentlich bezeichnete das Wort ja mal Leute, die so arm und/oder ungebildet sind, dass sie Tag für Tag im Freien arbeiten müssen und deshalb einen von der Sonne geröteten Nacken haben. Die mangelnde Bildung, das enge, religiös und rassistisch geprägte Weltbild sind gratis mit dabei. Bisher zumindest. Weiterlesen