Die Golden Girls, einfach die bessere Religion

Leute glauben an die wildesten Dinge. Unsichtbare bärtige Männer im Himmel, Flugzeugkondensstreifen mit bewusstseinsverändernden Regierungschemikalien drin, der Islam bringt uns alle um, der Kapitalismus ist von der Natur vorgegeben… diese Liste könnte ich fast endlos weiterführen. Ja, Onkel Karl hat ganz richtig gesagt, Religion sei Opium für’s Volk. Völlig korrekt. Aber noch präziser hat das Onkel Bonaparte formuliert, indem er erklärte: Religion ist das, was die Armen davon abhält, die Reichen zu ermorden. Mal zu den Fakten: Weiterlesen

Die Wahrheit über den Kapitalismus, aus italienischer Sicht

Politische Street-Art aus Rom: Blu ist seit 15 Jahren damit beschäftigt, Häuserwände mit den korrekten Farben zu versehen. Aktuell zeigt er uns mit „Capita“, wie ein bunter Wasserrutschenpark genau einen Weg zum Pool des Luxus hat, für die Elite des Landes, dazu eine für die Dienerschaft und Polizei und schliesslich mehrere in grau verlaufende Röhren, die Mitglieder der arbeitenden Klasse in eine grünlich schimmernde Abfallgrube werfen. Wir pittoresk, wie wahr. pic/klick/grösser

Wann muss man beide Seiten hören?

Iceland (wie der Inselstaat am Polarkreis) ist ein britischer Gefriernahrungsvertrieb und Supermarkt, der das Video oben zum Jahresendfest veröffentlichen wollte. Das Video über Palmöl und Urwaldzerstörung wurde ursprünglich von Greenpeace produziert und von Iceland lizensiert. Die für die TV-Werbung in Britannien zu­stän­dige Behörde verbot die Ausstrahlung, weil der Inhalt zu politisch sei. Ach ja? Man darf unbegrenzt Werbung für den Kapitalismus machen, aber diesen nicht kriti­sieren? Euer Ernst, Briten? Zur Klärung möchte ich noch dazufügen, dass Kapi­tal­ismus und freie Marktwirtschaft nicht dasselbe sind, das wird gerne missverstanden. Im Gegenteil, der Kapitalismus ist ein Trick, aus der Produktivwirtschaft Profite heraus­zuleiten und sie woanders hin zu bringen, wo sie nicht wirtschaftlich produktiv sind, sondern nur weitere Profite für einige Wenige erzeugen. Im konkreten Fall wohl die Shareholder und Investoren von multinationalen Nahrungsmittelkonzernen. guardian

Was die Wähler wollen: Weniger Asylpanik, mehr Sozialpolitik

In der vergangenen Woche wurden von Infratest Dimap über 1000 Wahlberechtigte befragt, was sie eigentlich wirklich von unserer politischen Vertretung wollen. Ergebnis: Kaum jemand ausser ein paar Propagandaopfern und Rechtsradikalen will noch was von dieser Asyl- und Islampanik hören, und zwar mit weitem Abstand. Wichtig ist den Leuten dagegen eine Lösung für die wirklich akute Pflegekrise, dass wir zuwenig Geld für Schulen ausgeben, dass die Mieten zu hoch sind, dass die Energiewende so schleppend voran geht. Aber warum kümmern sich unsere ge­wählten Vertreter nicht mehr um diese Probleme? Weil das alles nicht ins kapi­tal­istische Weltmodell passt und den Interessen derjenigen Gruppen entgegensteht, die für den Grossteil der Partei- und Wahlkampfspenden verantwortlich sind. Ja, ok, dann müssen wir eben mehr anti-kapitalistische Parteien wählen, um bessere Schulen, bessere Kraftwerke, bessere Pflege zu bekommen.

Stephen Hawkings Warnung an die Welt

Die warnenden Worte stehen in einem Ask-Me-Anything-Thread auf Reddit. Ein Reddituser fragte nach dessen Meinung zur Bedrohung unserer Arbeitsplätze durch den technischen Fortschritt. Der gerade verstorbene grosse Wissenschaftler Stephen Hawking antwortete:

„Wenn Maschinen alles herstellen, was wir brauchen, wird die Situation davon bestimmt, wie wir die Dinge verteilen. Alle Menschen können ein Leben in luxuriöser Freizeit geniessen, wenn der von Maschinen produzierte Reichtum geteilt wird, oder aber die meisten Menschen enden in katastrophaler Armut, wenn die Besitzer der Maschinen sich erfolgreich gegen die Verteilung des Reichtums stemmen. Bisher scheint die Entwicklung in Richtung der zweiten Option zu verlaufen, wobei die Technologie die Ungleichheit immer weiter verschärft.“

Die Frage ist jetzt, ob wir es schaffen, diese Entwicklung umzukehren, um den unermesslichen Wohlstand der Technisierung für alle verfügbar zu machen. Nur darum geht es gerade: Demokratisieren wir die durch Automation beschleunigte Wirtschaft, oder enden wir in einem dunklen, techno-feudalen Zeitalter?

reddit via boingboing

Die Bildungs-Lüge

Bildung garantiert beruflichen und privaten Erfolg. Bildung löst alle wirtschaftlichen und kulturellen Probleme. Wir hatten gerade Bundestagswahl und die Vertreter so gut wie aller Parteien erzählten uns genau das. Tun sie sonst auch, weltweit, nur vor Wahlen besonders enthusiastisch. Nun haben Soziologen in den vergangenen Jahren in mehreren grossangelegten Studien (dh viele Teilnehmer bzw untersuchte Fälle) untersucht, wie denn nun wirklich der Zusammenhang zwischen erworbener Bildung und später erzieltem Einkommen aussieht. Überraschung: Weiterlesen

Die gefühlt unerschütterliche Macht des Kapitalismus

„Wir leben im Kapitalismus. Seine Macht erscheint unentrinnbar. Genauso wie das göttliche Vorrecht der Könige.“ Ursula K. LeGuin, die wahrscheinlich wichtigste SciFi-Autorin unserer Zivilisation, wurde gestern 88. Cheers! Das Zitat stammt aus ihrer Rede zum US National Book Awards, den sie 2014 für ihr Lebenswerk erhielt. In dieser Rede sagte sie weiter: „Alle Macht der Menschen kann von Menschen aufgehalten und verändert werden. Widerstand und Veränderung beginnen oft in der Kunst, und sehr oft in dieser Kunst, der Kunst der Worte.“ Das ist es, wofür wir Schriftsteller und andere Künstler brauchen: Widerstand gegen Macht. Alle andere „Kunst“ ist nur Dekoration und Unterhaltung. huffpo, pic unbekannte quelle