Irland: Grundeinkommen für Künstler:innen

Bedingungsloses Grundeinkommen für Künstlerinnen und Künstler: Das Ministerium für Kultur (etc) der Republik Irland hat beschlossen, Geld in die Hand zu nehmen, um für 2000 kreative Leute aus allen künstlerischen Bereichen ein Grundeinkommen von 1300 Euro monatlich aufzustellen, davon 200 Berufsanfänger:innen.

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Verbrechen und Kunst unserer Väter

Wie ist da nun mit der belasteten Kunst und Kultur vergangener Epochen? Wie können wir damit umgehen? Können wir überhaupt damit umgehen? Klares ja. Weil Ferien sind, war ich gestern im Lenbachhaus, München. Um Kunst anzusehen. Die auch prompt anwesend war, vor allem Kandisky, Münter (seine Lebens- und Werk-Gefährtin), Blauer Reiter und anderes aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Zentral auffällig war für mich die sehr ernsthafte Museumspädagogik, die Erklärungen zu den Exponaten nicht nur in Deutsch, Englisch und leichter Sprache bereitstellte, sondern auch dem Konflikt nicht aus dem Weg ging, Kunst zu zeigen, die auf indigene, aussereuropäische Vorbilder zurückgriff und dabei den kolonialen Blick auf das exotische, orientalische, afrikanische beibehielt. Oben die Malerei „Orientalisches“ von Wassily Kandisky, die auf seinen Tunesienaufenthalt 1905, also auf dem Höhepunkt des Imperialismus, zurückging. Die Lenbach-Mitarbeiter:innen bemühen sich, klarzustellen, dass die Künstler zwar damals und zeittypisch diesen Blick auf Aussereuropa hatten, und wir die Werke heute noch klasse finden, aber den imperialen Standpunkt nicht mehr teilen. Die Kunst anderer Kontinente ist für uns heute nicht mehr roh und ursprünglich, und dient uns nicht mehr als Rechtfertigung für die Ausbeutung und Unterdrückung von Völkern. Mit dieser Differenzierung ist es uns heute allerdings wieder möglich, die kulturelle Leistung der Kunstschaffenden zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu würdigen, die tatsächlich mit Hilfe globaler Inspiration die Kultur auf unserem kleinen Kontinent massiv bereicherten. Diese Lösung lässt sich auch auf andere Kulturformen und Epochen anwenden: Alte Disney-Filme, die klar rassistische Elemente enthalten, können ungeschnitten weiter gezeigt werden, wenn dem Film eine Erklärung vorangestellt wird, die den Rassismus in der Zeit seiner Herstellung aufdeckt und klar macht, dass wir diese Einstellung heute nicht mehr haben, ja, sie entschieden zurückweisen. Dazu allerdings müsste sich der kultur-kontrollierende Konzern auf die Seite des Antirassismus stellen, was ihn womöglich wenige Prozent Umsatz kosten könnte. Also wird diese Art von Aufarbeitung auf öffentliche Träger beschränkt bleiben. Wenigstens dort.

Was ist Kultur: Kesh Angels

Kesh Angels (abgeleitet von Marrakesh, und „Angels“ als Namensbestandteil zahlloser Motorradgangs) ist eine Arbeit des marrokanischen Fotografen Hassan Hajjaj (insta) von 2014. Tatsächlich hat er lokale, junge Frauen mit ihren Bikes fotografiert, mit einigen zusätzlichen Accessoires wie Sonnenbrillen oder Sneakers. Was macht er da und warum ist seine Arbeit so bedeutungsvoll? „Was ist Kultur: Kesh Angels“ weiterlesen

Ab wann ist es Kunst?

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Ja, wirklich: Kunst? Die US-Firma Electric Objects mit Sitz in New York stellte ihren EO2 vor, einen HD-Bildschirm für 299 USD mit dazu gehöriger Infrastruktur (Smart­phone-App etc), zum Anzeigen von Kunst. Nicht für Familienfotos oder Texte, Filme oder Games, sondern Kunst. Inclusive einem Bilder-Abo mit den kreativen Höchst­leistungen unserer Zivilisation drin. Van Gogh, Manet, Vermeer, you name it. Alternativ Wasserfälle, Blumenwiesen, Sonnenuntergänge, fotografiert von weniger bekannten schöpferisch Tätigen. In jedem Fall hübsch anzusehen, mitunter geradezu erhebend, wenn ein Werk der Weltklasse ganz bescheiden an der eigenen Wohnzimmerwand wartet. In jedem Fall reine Dekoration, wenn nicht gar Kitsch, und damit bereits weit entfernt vom eigentlichen inneren Auftrag des Kunstschaffens, nämlich bis dahin Unbeschreibbares erfahrbar zu machen. „Ab wann ist es Kunst?“ weiterlesen

Piraten und Kultur

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Der Vorstand des Landesverbands Bayern der Piratenpartei hat mich am letzten Wochenende zum Beauftragten fur Kultur und Urheberrecht berufen (Trommelwirbel, Blechblasinstrumente). Danke für das Vertrauen, lieber Vorstand des aktuell mitgliederstärksten Landesverbands. Hier ist meine Antrittserklärung, in der ich meine Einstellung zu Kultur und Kulturpolitik ausführe: „Piraten und Kultur“ weiterlesen

Whatever the product, skateboarding sells

Klar. Alles wird cooler mit einem Skateboard drin. Wie das Werbevideo des Auktionshauses Christie’s beweist, in dem Berufs-Skateboarder Christopher Martin cool und unfrisiert an diversen, demnächst zu versteigernden, überteuerten Luxusgegenständen vorbeirollt. „Whatever the product, skateboarding sells“ weiterlesen

Was vom Pop übrigbleibt, wenn man die Musik entfernt

Der österreichische Audio-Artist Mario Wienerroither nimmt bekannte Popmusik­videos, entfernt die Musik und ersetzt sie durch die anzunehmenden Alltagsgeräusche. Das Resultat markiert den Beginn einer neuen Zitatform. Kunst aus dekonstruierten Musikvideos hatten wir so noch nicht, und werden sie auf absehbare Zeit nicht bekommen, weil all das eigentlich durch die Perversion unserer Kultur, das Copyright, ins Illegale invertiert wurde. Ich hoffe sehr, dass Mario weitermacht. Fuck yes. „Was vom Pop übrigbleibt, wenn man die Musik entfernt“ weiterlesen

Lab 30: Kultur ist, was der Regierung nützt

Auch diesen Herbst gibt es in meiner geliebten Heimatstadt das für eine 24stgrösste deutsche Grosstadt eigentlich bemerkenswerte Experimental- und Elektronikkunstfestival Lab 30 – etwas entsprechendes bekommt man (dann ein paar Nummern grösser) sonst vielleicht in Linz oder Berlin. „Lab 30: Kultur ist, was der Regierung nützt“ weiterlesen

Copyright ist Diebstahl, hier als Video

Erhellende Zusammenstellung von 31 Filmszenen aus Abenteuerfilmen aus den Jahren 1919 – 73, und den „Indiana Jones“ Filmen, in welchen diesen Szenen recycelt werden. Dagegen wäre eigentlich nichts zu sagen, Kultur besteht mehr aus Bekanntem als aus Neuem. Das Problem ist nur, dass diese recycelten, kopierten, oder gestohlenen Bausteine, Ideen dann wieder zum „geistigen Besitz“ erklärt werden; so wie hier. Das bedeutet, es ist absehbar, bis alles Wissen und alle Kultur in der Hand konkurrierender Konzerne sind. mefi