Dry Cleaning: Post-Punk für die Post-Pandemie

Weil das zwar schon oft woanders zu lesen war, nur hier noch nicht: Dry Cleaning aus London sind die Art von Post-Punk, die wir grade brauchen. In der abklingenden Pandemie. Die aber noch mindestens bis Jahresende brauchen wird, bis sie wenigstens so leise geworden ist, dass sie im Hintergrundlärm der anderen Ganz- oder Beinahekatastrophen untergeht. Inzwischen können wir den entspannten vier Londonern (Londoner:innen) zuhören, die uns viel von dem zurückgeben, was (musikalisch) nach ’80 verloren gegangen war. Und den bemerkenswert emotional-dadaistischen Texten von Florence Shaw.

„Many years have passed but you’re still charming
Rose falling and exploding and you can’t save the world on your own
I guess“ (scratchcard lanyard)

Pupil Slicer: Wounds Upon My Skin

Was kommt raus, wenn man Grind und Math multipliziert? Grath? Das Metal-Trio Pupil Slicer aus London, aktuelles Album Mirrors, macht nicht exakt den Sound, den ich jeden Tag hören möchte (doch etwas hektisch), ist aber so verdammt überzeugend, dass ich einfach nur beeindruckt bin. Und: Endlich mal wieder eine Frontfrau (Gitarre, Vocals) im Metal, die persönliche Songs schreibt, eigene Traumata durch den Ver­stär­ker presst und Ängste so kleinhackt, dass sie im agressiven Stakkato untergehen. via revolvermag

Richtig schmutzige Wäsche

Helga Stenzel lebt in London, Brexitland, und war neulich erschrocken, als sie ihre schmutzige Wäsche vor der Waschmaschine liegen sah. Wer rechnet denn auch mit sowas? Eine Textilanhäufung, die fatal an den obersten Arschclown der Vereinigten Staaten erinnert, diese schmierige Marionette der 1 %. Schnell in den Vollwasch­gang damit und nächstesmal lieber Bernie wählen, Freunde jenseits des Atlantik.

Betonbauteile aus dem 3D-Drucker

London baut gerade eine neue Crossrail-Ubahnlinie mit 10 überwiegend unter­irdischen Stationen. Dabei wurde erstmals in dieser Grössenordnung der Guss von Betonfertigteilen in Formen aus dem 3D-Drucker angewendet. Die Wachsformen glättet ein sechsachsiger Industrie-Roboter nach dem 3D-Druck Damit das Wachs für neue Formen zur Verfügung steht, werden die Formen nach der Verwendung eingeschmolzen. Entsprechend sehen die neuen Subway-Stationen aus wie eine CGI-Raumstation. Das ist aufregend und ästhetisch wertvoll, aber auch ein weiteres Beispiel für die völlige Assimilation unserer Wirtschaft durch die digitale Automatisierung. „Betonbauteile aus dem 3D-Drucker“ weiterlesen

Was wir über gewalttätige Religionen wissen

Aus gegebenem Anlass: Die Irische Republikanische Armee hat zwischen 1969 und 1998 rund 1800 Menschen umgebracht, davon 650 Zivilisten. Viele mit Sprengstoff­attentaten, was wir aber inzwischen kollektiv verdrängt haben. Das Pic stammt von einem Anschlag in London im Jahr 1993. Der überraschend vernunftbegabte Brite, der es ab 17. Februar twitterte, bemerkte dazu:

„Das ist London in 1993 nach einer IRA Lastwagenbombe. Wir haben daraufhin nicht Iren oder Katholiken verboten, wir hatten ja bereits begriffen, dass es sich hier nur um eine kleine Gruppe von Arschlöchern handelt“.

Gute Idee. Ich finde, wir sollten Arschlöcher verbieten.

Merrylin Cryptid

alexcf1

Glaskästen und Koffer voller nie gesehener Skelette, Werkzeuge, Präparate, gefunden in den Kellern unterhalb eines längst geschlossenen, leerstehenden Londoner Waisenhauses. Die Sammlung des Kryptozoologen und Präparators Thomas Merrylin, geboren 1782, berichtetermassen zuletzt gesehen im Jahr 1942. Gefunden 2006 von Alex CF, der seither als unermüdlicher Kurator des zukünftigen Merrylin Cryptid Museums wirkt. „Merrylin Cryptid“ weiterlesen

London: Kostenloser öffentlicher Nahverkehr macht sozialer und gesünder

london bus

Zwei Studien über subventionierten fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehr in London sollten uns zu denken geben. Im einen Fall wurde mit dem Freedom Pass Bürgern über einem Alter von 60 Jahren freie Fahrt in Londoner Bussen ermöglicht, im andern Fall Schülern und Studenten unter 19. Die Folgen waren vergleichbar: „London: Kostenloser öffentlicher Nahverkehr macht sozialer und gesünder“ weiterlesen

Die panische Angst der Autorität vor dem Volk: London, San Francisco

Eigentlich war ein relativ alltäglicher Fall von Polizeibrutalität der Anlass für die Aufstände von London: Ein 29jähriger Familienvater starb bei einer Festnahme im Polizeikugelhagel. Dass Leute ohne Grund erschossen werden, kommt in allen Nationen vor, und wird als Preis für die Stabilität des Systems akzeptiert. Den uniformierten Schützen passiert jedenfalls nie irgend etwas. Nur der Londoner Stadtteil Tottenham brannte zwei Tage lang, und danach andere Stadtviertel in anderen britischen Städten. „Die panische Angst der Autorität vor dem Volk: London, San Francisco“ weiterlesen

London: Überwachungskamera späht ins Schlafzimmer

Die britische Sun (keine sehr seriöse Tageszeitung, aber ok) berichtet vom Fall der aktuell hochschwangeren 31jährigen Megan Franklin, die von einem Nachbarn in ihrem Londoner Vorort Richmond darauf aufmerksam gemacht wurde, dass eine der angeblich verkehrsbeobachtenden CCTV-Kameras vor ihrem Haus nicht etwa die Strasse aufzeichnet, sondern direkt einen Blick in Megans Schlafzimmerfenster. „London: Überwachungskamera späht ins Schlafzimmer“ weiterlesen