Deutschland, deine Nazis

Soweit sind wir schon. Wie weit? Ich nehme gerne an Diskussionen teil. Am liebsten mag ich solche, bei welchen man am Ende immer noch unterschiedlicher Meinung ist, aber die jeweils andere und den jeweils anderen respektiert und bestehen lässt. Da verläuft für mich die Kurve der Meinungsfreiheit am steilsten. Natürlich mag ich es auch, online und auf den bekannten sozialen Plattformen meine eigene Meinung auszudrücken. Ich finde, das soll man auch. Wenn ich allerdings Dinge sage wie „Der Islam gehört zu Deutschland, Nazis nicht“, passiert folgendes: Weiterlesen

WordPress kauft Tumblr, alles wird gut

Genauer gesagt: Automattic, die Firma, die WordPress entwickelt und anbietet, übernimmt Tumblr für einen Preis von weniger als 3 Millionen USD. Von Verizon, die dafür noch mehr als eine Milliarde bezahlt hatten (kein Problem, auch dieses Unternehmen gibt so gut wie nichts für Steuern aus). Das ist die gute Nachricht. Was aus der Plattform wird, die von Yahoo und Verizon heruntergewirtschaftet wurde und eigentlich seit ihrer Gründung 2007 ein Synonym für freie Internetkultur war, müssen wir sehen. Aber wir wissen, dass Automattic im Gegensatz zu korrupten Konzernen wie Verizon ein eifriger Verfechter von Meinungsfreiheit und persönlichem Ausdruck ist. Es kann also nur aufwärts gehen mit Tumblr. Ja, ich bin erleichtert. via boingboing

Rollenspieler retten die Welt vor dem Hass

Hass im Internet bekämpfen: So wirds gemacht. Die Website RPG.net ist seit 1996 (ja, da gab es schon richtiges WWW-Internet) einer der wichtigsten Diskussionsorte für Fans von Boardgames, Pen-And-Paper, Wargames, Tabletop, auf dem Tisch und im Computer. Jetzt haben die Forenmoderatoren in einem durchaus aufsehen­erregenden Post erklärt, dass sie keine Unterstützungstexte für Herrn Trump (einem bekannten Faschisten und Hassprediger, der bereits mehrere frustrierte US-Bürger zu Morden und Attentaten aufgestachelt hat) mehr zulassen werden. Ebenso keine abwertenden Reden gegen Minderheiten oder Frauen oder Andersdenkende. Weiterlesen

Moral, Heuchelei, Impotenz, Böhmermann und das Ende der Meinungsfreiheit

Die gute Nachricht zuerst: Nein, die Meinungs- und Redefreiheit ist nicht am Ende, auch wenn rekursive Alleswisser wie der Jurist, gelegentliche Zeit-Autor und mut­massliche German Marshall Fund Mitwirkende Jochen Bittner das uns mitunter glauben machen wollen. Nein, garnicht. Schon überhaupt nicht, wenn es Jan Böhmermann mit einer einzigen Satire-Sendung schafft, 50.000 Begeisterte zur öffentlichen Meinungsäusserung gegen bezahlte Rechtsaussen-Trolle zu moti­vieren. Dann nämlich sieht ein professioneller Alleswisser „Orwells 1984“ los­getreten. Was? Wie? Weiterlesen

Metalbands und der korrekte Umgang mit Maskulinismus

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Die kanadische Stadt Fredericton, nicht weit von der Atlantikküste gelegen, ist um eine Metalband ärmer. Und zwar weil der Sänger von Siegebreaker, Dale Lyons, Ende März auf Facebook einen längeren Rant über „modernen Feminismus“ ver­öffentlichte, einschliesslich der Zusammenfassung, dieser sei das „Krebsgeschwür der Menschheit“ (“The Cancer of Mankind”), wobei Dale in einem Erklärtext ausführt, dass er mit „mankind“ explizit die männliche Hälfte unserer Spezies meint. Unmittelbare Folge: Weiterlesen

Die Meinungsfreiheit als Europameister

Handball

Tor! Toooor! Der Philosoph und Zeit-Online-Kolumnist Wolfram Eilenberger ist Europameister der Herzen, zumindest für eine Weile, und auch nur in der Extremsportart Meinungsfreiheit, die ansonsten niemanden interessiert, ausser in einem Fall wie diesem. Dann aber ganz besonders. Die nationale Aufmerksamkeit ist ihm sicher („national“! *prust*). Wie ging das? Wie konnte er, so direkt aus dem Denkersessel losgespurtet und über die Papierberge europäischer Geistesgeschichte hechtend den Ball so tief im Netz der gefühlten Lügenpresse versenken, dass der Schmerzensschrei der sichtlich nicht zu Unrecht Getroffenen fast eine Woche und 712 717 Kommentare später immer noch nicht verhallt ist? Weiterlesen

Je suis Raif

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Während sich in Paris eine Million und in anderen europäischen Städten immerhin Zehntausende Menschen versammeln, um sich völlig zu Recht mit den Opfern des Charlie-Hebdo-Anschlags zu solidarisieren und gleichzeitig für Meinungsfreiheit als unveräusserliche Grundlage von Demokratie demonstrieren, wird ein anderer Vorkämpfer für die Freiheit der Gedanken gerade von einem unserer Verbündeten zu Tode geprügelt. Der saudi-arabische Journalist Raif Badawi wurde im Mai von einem Gericht in Dschidda zu einer Strafe von einer Million Ryal (226.000 Euro), 10 Jahren Gefängnis und 1000 Peitschenhieben (die er wahrscheinlich nicht überlebt) verurteilt; die ersten 50 Schläge hat er am Freitag erhalten. Weiterlesen