Vultures Of North

Ja, es ist Metal. Aber nicht, wie wir ihn kennen (Startrek Semiquote). Was Orbit Culture da hinlegen, ragt so baumwipfelhoch über andere aktuelle Metaltracks hinaus, dass ich vom ersten Mal hören an verblüfft bin. Ja, zunächst steht auch diese vierköpfige Gruppe von Liebhabern nordischer Mythologie knietief in Metal-Klischees (incl. Haareschütteln). Aber eben nicht tiefer. Und was sie in Vultures Of North verdammt richtig machen: Sie hämmern über 2 Minuten lang dasselbe Riff in die Nacht, bis mal der erste Akkordwechsel kommt: Einen verfluchten Halbton tiefer. So ungefähr der düsterste, nordischste und mythischste Akkordwechsel, der einem Gitarristen einfallen kann. Plus: Kein Todesgekreisch, kein „melodischer“ Gesang, keine Gitarrensoli. Nur ein brachiales Riff, das zum Ende hin einem unbehaglichen, bedrohlichen Ambient weicht und dann unausweichlich noch einmal aufschäumt. Was Orbit Culture damit musikalisch (oder kulturell) leisten, ist für mich durchaus mit Meshuggah vergleichbar, die ihrerseits dem Metal eine mythische Wiedergeburt als Djent schenkten. Ich hoffe, wir hören in Zukunft mehr monophonen Wahnsinn aus den offenbar endlosen, von gehörnten Monstren durchstreiften nordischen Wäldern. via revolver

Alles wird besser mit Metal: Eleanor Rigby

Irgendwann muss ich es ja zugeben: Ich war nie Fans dieser „Beatles“ und ihres melodischen Gesinges. Um so verdienstvoller, was der norwegische Metal-Kabarettist Leo Moracchioli hier abliefert: Eine milde Metal-Version des Popheulers „Eleanor Rigby“ von 1966. Ja, so kann ich mir das anhören. Danke, Leo. via boingboing

So many metal bands, so little time

Viel zu selten finde ich die Musse, stundenlang Musik zu hören. Kein Wunder, dass ich mich dauernd müde fühle. Aber vielleicht liegt das auch an den drei Jobs, die ich late-capitalism-kompatibel jongliere. Heute lohnte sich jedenfalls ein Besuch auf dem grossartigen Metal Injection Blog, das der Welt umfangreiche Listen im Stil von „20 Underground Metal Bands, die du im Februar verpasst hast“ zur Verfügung stellt. Was das Hauptproblem unserer Informationsgesellschaft direkt adressiert: Es ist zuviel. Von allem. Und was alles, was du als Underground Publizist tun kannst, ist filtern, kuratieren. So wie hier im 11k2. Die Cancer Bats dagegen sind eine extrem sympathische und wundervoll unernste Metal Combo mit einem wundervoll unernsten Metal Bandnamen und ebensolchen Videos. Also, weiter mit den anderen Bands:

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In Lafayette, Lousiana, ist das Leben noch hässlicher als hier

Capra sind aus Lafayette, Lousiana, nicht weit vom Golf von Mexiko, irgendwo in den Sümpfen zwischen New Orleans und Houston. Das Leben dort muss ziemlich hässlich sein. Die Musik dagegen grossartig. Beim Herumblättern auf Musikwebseiten (Kann man im Internet herumblättern? Ich denke schon) fiel mir die Band schon zum zweiten Mal auf. Capra ist ja eigentlich kein Metal, eher Hardcore, und meilenweit weg von der Legion mittelmässiger Metalkapellen mit Vorzeigesängerin.

 

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Voice Of Baceprot: School Revolution

In anderen Teilen der Welt ist die indonesische, musilimische Girl-Metal-Band längst ein Stern am Metal-Himmel, hier in Europa spielen sie diesen Herbst ihre erste Tour. Die Themen sind global: Widerstand gegen Autoritäten, Enge und Einschränkungen ihrer Kreativität. Nicht viel anders als im „Westen“, nur mit Hijab. via revolver

Pupil Slicer: Wounds Upon My Skin

Was kommt raus, wenn man Grind und Math multipliziert? Grath? Das Metal-Trio Pupil Slicer aus London, aktuelles Album Mirrors, macht nicht exakt den Sound, den ich jeden Tag hören möchte (doch etwas hektisch), ist aber so verdammt überzeugend, dass ich einfach nur beeindruckt bin. Und: Endlich mal wieder eine Frontfrau (Gitarre, Vocals) im Metal, die persönliche Songs schreibt, eigene Traumata durch den Ver­stär­ker presst und Ängste so kleinhackt, dass sie im agressiven Stakkato untergehen. via revolvermag

Andre Antunes ist Jesus Christus

Das, oder er ist ein verdammt guter Musiker. Wir haben ja schon mehrere Kenneth Copeland Mashups gesehen, aber dieser hier hat den Segen des Höchsten. Halleluja. Der Metal-Messias hat übrigens einen fetten Youtube-Channel dabei, mit Klassikern wie Paula White oder BBQ Beer Freedom. Ich will nicht soweit gehen, zu sagen, dafür sei Metal erfunden worden, aber, yeah, fuckit. „Andre Antunes ist Jesus Christus“ weiterlesen

VOIVOD – The End Of Dormancy

Keine Frage. Voivod sind alt geworden. Zur Hölle, die Band hat 1982 angefangen. Im Juli kommt das neue Album „The End Of Dormancy“ mit Vinyl-EP-Auskopplung, und hier zeigen die Kanadier, dass man mit zunehmenden Alter eine raffinierte Art von Bosheit entwickeln kann, die dem ganzen Metal-Genre einen massiven Tritt verpasst. Die Pandemie-Cyberpunk-Optik des Videos wächst aus den ersten Anfängen der Ex-Thrasher heraus und bildet nur den Rahmen für ein Stück Präzisionsmetall, das sichtbar über den heutigen Prog-Djent-Post-Metal-Durchschnitt herausragt. Diese Männer wissen genau, was sie tun, und sie tun es mit Modern-Jazz-Bläsersätzen im Intro. Hail Satan! Und der dunkle Lord lächelt sicher zufrieden, während er dem neuesten Werk seiner emsigen Jünger lauscht. Geht mir genau so.