So many metal bands, so little time

Viel zu selten finde ich die Musse, stundenlang Musik zu hören. Kein Wunder, dass ich mich dauernd müde fühle. Aber vielleicht liegt das auch an den drei Jobs, die ich late-capitalism-kompatibel jongliere. Heute lohnte sich jedenfalls ein Besuch auf dem grossartigen Metal Injection Blog, das der Welt umfangreiche Listen im Stil von „20 Underground Metal Bands, die du im Februar verpasst hast“ zur Verfügung stellt. Was das Hauptproblem unserer Informationsgesellschaft direkt adressiert: Es ist zuviel. Von allem. Und was alles, was du als Underground Publizist tun kannst, ist filtern, kuratieren. So wie hier im 11k2. Die Cancer Bats dagegen sind eine extrem sympathische und wundervoll unernste Metal Combo mit einem wundervoll unernsten Metal Bandnamen und ebensolchen Videos. Also, weiter mit den anderen Bands:

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In Lafayette, Lousiana, ist das Leben noch hässlicher als hier

Capra sind aus Lafayette, Lousiana, nicht weit vom Golf von Mexiko, irgendwo in den Sümpfen zwischen New Orleans und Houston. Das Leben dort muss ziemlich hässlich sein. Die Musik dagegen grossartig. Beim Herumblättern auf Musikwebseiten (Kann man im Internet herumblättern? Ich denke schon) fiel mir die Band schon zum zweiten Mal auf. Capra ist ja eigentlich kein Metal, eher Hardcore, und meilenweit weg von der Legion mittelmässiger Metalkapellen mit Vorzeigesängerin.

 

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Pupil Slicer: Wounds Upon My Skin

Was kommt raus, wenn man Grind und Math multipliziert? Grath? Das Metal-Trio Pupil Slicer aus London, aktuelles Album Mirrors, macht nicht exakt den Sound, den ich jeden Tag hören möchte (doch etwas hektisch), ist aber so verdammt überzeugend, dass ich einfach nur beeindruckt bin. Und: Endlich mal wieder eine Frontfrau (Gitarre, Vocals) im Metal, die persönliche Songs schreibt, eigene Traumata durch den Ver­stär­ker presst und Ängste so kleinhackt, dass sie im agressiven Stakkato untergehen. via revolvermag

Andre Antunes ist Jesus Christus

Das, oder er ist ein verdammt guter Musiker. Wir haben ja schon mehrere Kenneth Copeland Mashups gesehen, aber dieser hier hat den Segen des Höchsten. Halleluja. Der Metal-Messias hat übrigens einen fetten Youtube-Channel dabei, mit Klassikern wie Paula White oder BBQ Beer Freedom. Ich will nicht soweit gehen, zu sagen, dafür sei Metal erfunden worden, aber, yeah, fuckit. „Andre Antunes ist Jesus Christus“ weiterlesen

VOIVOD – The End Of Dormancy

Keine Frage. Voivod sind alt geworden. Zur Hölle, die Band hat 1982 angefangen. Im Juli kommt das neue Album „The End Of Dormancy“ mit Vinyl-EP-Auskopplung, und hier zeigen die Kanadier, dass man mit zunehmenden Alter eine raffinierte Art von Bosheit entwickeln kann, die dem ganzen Metal-Genre einen massiven Tritt verpasst. Die Pandemie-Cyberpunk-Optik des Videos wächst aus den ersten Anfängen der Ex-Thrasher heraus und bildet nur den Rahmen für ein Stück Präzisionsmetall, das sichtbar über den heutigen Prog-Djent-Post-Metal-Durchschnitt herausragt. Diese Männer wissen genau, was sie tun, und sie tun es mit Modern-Jazz-Bläsersätzen im Intro. Hail Satan! Und der dunkle Lord lächelt sicher zufrieden, während er dem neuesten Werk seiner emsigen Jünger lauscht. Geht mir genau so.

The Body & Assembly of Light Choir

Kunst muss ja nicht schön sein. Im Gegenteil, wenn etwas auffallend schön ist, handelt es sich wahrscheinlich nicht um Kunst. The Body sind ein Metal-Duo (Gitarre/Schreien und Schlagzeug), bei dem diese Befürchtung nicht aufkommt. Seit 20 Jahren dröhnen und kreischen Chip King und Lee Buford, seit neun Jahren unterstützt vom Assembly of Light Choir. Das Vid oben zeigt einen Livegig der Collab in New York, von 2011. Die Band tourt im Juli durch Europa: brooklynvegan

Poppy: Scary Mask

Die Youtube-Kunstfigur Poppy (siehe 11k2) mischt aktuell, gemeinsam mit ihrem partner-in-crime Titanic Sinclair, ihren Art-Performance-Pop mit Nu Metal, und dabei entsteht so etwas wie die US-amerikanische Version von Babymetal (hier: headbanger). Die sind irgendwie härter, bringen aber eine Auseinandersetzung mit der japanischen Jugendkultur, während Poppy die US-amerikanische umsetzt. Beides mit Metal als Stilmittel. Schöne Textzeile in Poppys neuem Track: „I wear my scary mask when I’m afraid I don’t belong.“ Tolle Arbeit, so, künstlerisch. Wieder mal. via revolvermag

Live Øya, Oslo: Chelsea Wolfe

Bemerkenswertes Live-Video vom diesjährigen Øya Festival in Oslo. Nicht genug damit, dass Chelsea Wolfe einfach eine herausragende kontemporäre Künstlerin ist, die Performance der Band gibt Hoffung darauf, dass sich im Doom-Gaze (oder wie immer man das nennen will) neues Leben entwickelt. Obwohl es ja eine ganze Reihe langsamer, tiefer gestimmter, moderner Metal-Bands aus dem Black- und Doom-Umfeld gibt, beschränken sich viele Sänger bei allem anerkennenswerten textlichen Existentialismus doch deprimierend oft auf’s Tierstimmen imitieren. Klare Frauenstimmen werden dagegen gerne mal dazu verwendet, geschmacksfernen Gothic-Kitsch zu produzieren. Zwischen diesen Antipoden gäbe es eigentlich genug kreativen Gestaltungsraum, allerdings wird dieser nur zögerlich genutzt. Um so dank­barer bin ich für die Leistung Chelseas. Ihr letztes Konzert in München (nächst­liegende Grosstadt) früher in diesem Jahr habe ich verpasst, das soll mir nicht noch mal passieren.

Krallice: Loüm

Die New Yorker Black-Math-Metal-Band Krallice, verstärkt um den Neurosis Bassisten Dave Edwardson an den Synthies. Als ob Blind Idiot God und Meshuggah zeitgleich per UFO-Traktorstrahl von Aliens entführt und in ein ausserweltliches, post-euklidisches, blasphemisches, gitarrenfressendes Mischwesen ge-spliced wurden. Metal-Album der Woche, des Monats und wahrscheinlich auch für das restliche ’17. via mefi

Anal Trump

Die Grindcoreband aus San Diego, California hat im März ihr erstes Album „If You Thought Six Million Jews Was A Lot Of People, You Should’ve Seen My Inauguration!“ vorgestellt. Die insgesamt 10 Tracks sind zwischen einer und 20 Sekunden lang und drücken das Lebensgefühl junger Amerikaner in der Ära der Neo-Korruption präzise aus. Download 5 USD, Vinyl ausverkauft (klar). bandcamp via christiannightmares

Speed-Metal-Dating

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Hey Satan, was geht? Der Musiker und Comedian Dave Hill und die alternative Kreativagentur BanterGirl Productions haben neulich in New York ein erstes Speed-Metal-Dating veranstaltet. Vom gelungenen Kalauer/Wortspiel mal abgesehen ist es augenscheinlich eine gute Idee, zielgruppenspezifische soziale Events zu veranstalten, die sich wirklich auf den sozialen Aspekt des Events konzentrieren (a.k.a. „jemand kennenlernen“) und dabei den Verstrahlungsgrad durch die jeweilig persönlich präferierte Droge in den Hintergrund rücken. „Speed-Metal-Dating“ weiterlesen

Metalbands und der korrekte Umgang mit Maskulinismus

dale

Die kanadische Stadt Fredericton, nicht weit von der Atlantikküste gelegen, ist um eine Metalband ärmer. Und zwar weil der Sänger von Siegebreaker, Dale Lyons, Ende März auf Facebook einen längeren Rant über „modernen Feminismus“ ver­öffentlichte, einschliesslich der Zusammenfassung, dieser sei das „Krebsgeschwür der Menschheit“ (“The Cancer of Mankind”), wobei Dale in einem Erklärtext ausführt, dass er mit „mankind“ explizit die männliche Hälfte unserer Spezies meint. Unmittelbare Folge: „Metalbands und der korrekte Umgang mit Maskulinismus“ weiterlesen