Wie man den Mindestlohn auf 12 Euro 98 anhebt

Hierzulande beträgt der gesetzliche Mindestlohn 8,84 Euro pro Stunde. Brutto. Da gehen noch Steuer, Krankenversicherung und Sozialbeiträge weg. So dass ein*e Mindestlohnarbeiter*in nur Centbeträge mehr rauskriegt als bei Hartz 4 plus Wohn­geld. In den USA (nicht in Deutschland) wird der Versandmegakonzern Amazon seinen Mitarbeiter*innen ab November 15 Dollar oder umgerechnet 12,98 Euro bezahlen. Wie kriegt man das hin? Streiks und Öffentlichkeit. Dass es in den USA Politiker wie Bernie Sanders gibt, schadet dabei nicht, aber gute Leute gibt es in Europa auch. Ach, da fällt mir ein: Am 14. Oktober, also in zwei Wochen, finden im dunklen Bayern Landtagswahlen statt, und die Linke steht in Umfragen bei 5 %. Wird knapp. Aber ok, dann wählen wir eben die, um der CSU (die hart gegen Mindestlohn und Frauenrechte gekämpft hat) so richtig eine mitzugeben. npr, pic vom Amazon-Regenwald David Riaño Cortés cc0

Mindestlohn von 13,43 €, ab 2017

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Der US-Bundesstaat Kalifornien hat einen Mindestlohn für alle Arbeiter und Ange­stellten von 15 US-Dollar (13,43 €) ab Anfang 2017 beschlossen. Zuvor galt ein Mindestlohn mit Ausnahmen von 7,25 $ – das wären mehr als 100% Steigerung. Wie geht das? Das geht, indem eine Bürgerinitiative „Fight for 15“ im ganzen Land über Jahre hinweg Demonstrationen und andere Aktivitäten (etwa Besetzung von Fast-Food-Restaurants) durchführt und die Gewerkschaften unnachgiebig bleiben. Jetzt hat Gouverneur Andrew Cuomo das Gesetz unterschrieben, um einer Volks­abstimmung zuvor zu kommen. Das müssen wir also in unserem Land machen, um einen Mindestlohn von 13,43 zu bekommen. Der übrigens, trotz allen Geheules aus Unternehmens- und CSU-Kreisen, keine Arbeitsplätze kostet, wie man immer dann feststellen konnte, wenn in der Vergangenheit eine solche Mindestvergütung eingeführt wurde. usuncut, pic fightfor15

Das Wort zum Dienstag

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„Unternehmen, deren Existenz lediglich davon abhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollen in diesem Land kein Recht mehr haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben. (…) Mit einem zum Leben ausreichenden Lohn meine ich mehr als das bloße Existenzminimum – ich meine Löhne, die ein anständiges Leben ermöglichen.“ Franklin D. Roosevelt, 1933. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Mindestlohn (mit Ausnahmen) 8,50 Euro pro Stunde, das entspricht netto 1040 Euro monatlich. Der Arbeitslosenhilfe-Höchstsatz macht 724 Euro aus, also 316 Euro weniger. Mit welchem Einkommen sich ein anständiges Leben führen lässt, ist eine andere Frage. pic pd.

Wenn bereits der Adel das Grundeinkommen fordert

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Der britische Wirtschaftshistoriker Robert Skidelsky (bild oben), seit 1991 als Baron Skidelsky, of Tilton in the County of East Sussex Mitglied des Oberhauses, fordert im vom deutschen Wirtschaftsmagazin Capital zweitveröffentlichten Artikel „Mindestlohn oder Mindesteinkommen?“ für das Project Syndicate ein Umdenken. Er weist darauf hin, dass in fast allen reichen Industrienationen eine breite Schicht der „working poor“ („Prekariat“) entstanden sei, die vom Staat mit Steuernachlässen bezuschusst würde. Die verschiedenen Versuche sozialwirtschaftlicher Regulierung führten zum heutigen Modell des Mindestlohns, welches aber durchgehend und in jedem Fall ein Problem offen lässt: Weiterlesen

Mindestlohn in anderen Ländern. Heute: McDonalds (mit Poll)

thompson_bioIn den USA gilt derzeit ein gesetzlicher Mindestlohn von 7 USD 25. Das wären umgerechnet 5 Euro 32. Lacht nicht, in Deutschland gibt es eine Menge Leute, die für weniger arbeiten. Und nicht davon leben können, entsprechend Zuschüsse vom Arbeitsamt beantragen und sich wie Menschen zweiter Klasse behandeln lassen müssen. US-Präsident Obama will jetzt einen höheren Mindestlohn von 10 USD 10 durchsetzen, also 7 Euro 42. Auch in den USA nicht genug, um davon leben zu können, aber trotzdem viel besser. Auch wenn Wirtschaftsbosse den Untergang der nationalen Ökonomie herbeisingen. Jetzt hat sich McDonalds-CEO Don Thompson für die Mindestlohn-Anhebung ausgesprochen. Weiterlesen

Hong Kong führt Mindestlohn ein

Und zwar in Höhe von 28 Hong Kong Dollars pro Stunde. Das sind immerhin 2,43 €, also 62% mehr als der deutsche Hartz-IV-Sklave bekommt, der seine Würde als Arbeiter nach wie vor für 1,50 auf den Markt tragen muss. bbc, pic Simon Tong cc by nc sa

Mindestlohn in der EU

Die Balkengrafik zeigt die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne in unserer EU-Nachbarstaaten: So viel bekommt eine Friseurin, ein Postbote oder ein Wachmann mindestens, in Luxemburg, Irland, Holland, Belgien, den Niederlanden, Britannien. In Deutschland weigert sich die Mitte-Rechts-Regierung beharrlich, einer Mindestlohnregelung zuzustimmen, so dass viele (knapp eine Million) Vollzeitarbeiter so wenig Monatslohn erhalten, dass sie zusätzlichen Anspruch auf staatliche Fürsorge haben. Weiterlesen