Was macht Devo eigentlich in der Freizeit?

Post-Punk und Synth-Rock-Legende Devo bringt ja immer noch neue Musik raus und geht damit auf die Bühne. Während der Vorbereitung zur nächsten Tour hatten Gründungsbassist Jerry Casale und derzeitiger Drummer Josh Freese etwas Freizeit und nutzten diese für einen neuen Song (und Video) des Devo-Sideprojects Jihad Jerry & the Evildoers: I’m gonna pay you back. Sehr nett, aber richtig hart wird es, wenn ich euch erzähle, dass Jerry Ende diesen Monats Geburtstag hat (28.7.). Und zwar seinen 73sten. Man kann also mit 73 immer noch coolen Scheiss machen, animierte Musikvideos veröffentlichen und das Haus rocken. Sollte uns Hoffnung geben, nicht? Ein Grund mehr, darauf zu achten, dass unser Planet nicht zu heiss und unbewohnbar wird. Wir wollen doch schliesslich in 10, 20, 30, 50, 100 Jahren immer noch Spass haben. Oder wer dann eben Musik macht und damit auf die Bühne geht. via rollingstone

Dry Cleaning: Post-Punk für die Post-Pandemie

Weil das zwar schon oft woanders zu lesen war, nur hier noch nicht: Dry Cleaning aus London sind die Art von Post-Punk, die wir grade brauchen. In der abklingenden Pandemie. Die aber noch mindestens bis Jahresende brauchen wird, bis sie wenigstens so leise geworden ist, dass sie im Hintergrundlärm der anderen Ganz- oder Beinahekatastrophen untergeht. Inzwischen können wir den entspannten vier Londonern (Londoner:innen) zuhören, die uns viel von dem zurückgeben, was (musikalisch) nach ’80 verloren gegangen war. Und den bemerkenswert emotional-dadaistischen Texten von Florence Shaw.

„Many years have passed but you’re still charming
Rose falling and exploding and you can’t save the world on your own
I guess“ (scratchcard lanyard)

Alles ist Chemie, auch Dubstep

Sounds aus dem Labor. Klar ist Dubstep schon älter. Macht nichts. Chemie auch. Beides aber nach wie vor nicht wegzudenken. via misscelania

Pupil Slicer: Wounds Upon My Skin

Was kommt raus, wenn man Grind und Math multipliziert? Grath? Das Metal-Trio Pupil Slicer aus London, aktuelles Album Mirrors, macht nicht exakt den Sound, den ich jeden Tag hören möchte (doch etwas hektisch), ist aber so verdammt überzeugend, dass ich einfach nur beeindruckt bin. Und: Endlich mal wieder eine Frontfrau (Gitarre, Vocals) im Metal, die persönliche Songs schreibt, eigene Traumata durch den Ver­stär­ker presst und Ängste so kleinhackt, dass sie im agressiven Stakkato untergehen. via revolvermag

The Drowned God: Gnashing of Teeth

The Drowned God machen hier so ziemlich alles richtig. Kann man weiter empfehlen. via decibel

Andre Antunes ist Jesus Christus

Das, oder er ist ein verdammt guter Musiker. Wir haben ja schon mehrere Kenneth Copeland Mashups gesehen, aber dieser hier hat den Segen des Höchsten. Halleluja. Der Metal-Messias hat übrigens einen fetten Youtube-Channel dabei, mit Klassikern wie Paula White oder BBQ Beer Freedom. Ich will nicht soweit gehen, zu sagen, dafür sei Metal erfunden worden, aber, yeah, fuckit. Weiterlesen

Endlich Quake auf Vinyl

Seit der Veröffentlichung des (aber wirklich) legendären First-Person-Shooters Quake im Jahr 1996 haben wir diverse Dimensionssprünge hinter uns gebracht – mal ehrlich, wer hätte sich vor 24 Jahren Smartphones, SarsCov2, Trump und eine seit 20 Jahren kreisende Internationale Raumstation auf einmal vorstellen können? Also ist es um so wichtiger, dass der Originalsoundtrack des Klassikers endlich auf schwerem Doppel-Vinyl erscheint, für 35 Die-Regierung-Belügt-Uns-Und-Führt-Geheime-Dimensionstor-Experimente-Durch-Dollars im NineInchNails-Webshop. via boingboing

Musiktheorie ist Rassismus

Schon lange wächst in mir die Überzeugung, dass man alle „klassische“ Musik vor 1850 besser verbrennen und vergessen sollte. Vielleicht mit Ausnahme einiger weniger Partituren für wissenschaftliche Zwecke. Aber in unserer Kultur hat diese „Klassik“ in meiner wie erwähnt wachsenden Überzeugung nichts mehr zu suchen. Meine Argumente waren hier zunächst eher musikalischer Art: Weiterlesen

VOIVOD – The End Of Dormancy

Keine Frage. Voivod sind alt geworden. Zur Hölle, die Band hat 1982 angefangen. Im Juli kommt das neue Album „The End Of Dormancy“ mit Vinyl-EP-Auskopplung, und hier zeigen die Kanadier, dass man mit zunehmenden Alter eine raffinierte Art von Bosheit entwickeln kann, die dem ganzen Metal-Genre einen massiven Tritt verpasst. Die Pandemie-Cyberpunk-Optik des Videos wächst aus den ersten Anfängen der Ex-Thrasher heraus und bildet nur den Rahmen für ein Stück Präzisionsmetall, das sichtbar über den heutigen Prog-Djent-Post-Metal-Durchschnitt herausragt. Diese Männer wissen genau, was sie tun, und sie tun es mit Modern-Jazz-Bläsersätzen im Intro. Hail Satan! Und der dunkle Lord lächelt sicher zufrieden, während er dem neuesten Werk seiner emsigen Jünger lauscht. Geht mir genau so.

Oranssi Pazuzu: Uusi Teknokratia

Vor nem Monat erschienen, aus dem fünften Album der finnischen Black-Metal-Sinfoniker. Sehr schön. via thequietus

Medien nach der Krise: So wird das aussehen

US-Rapstar Travis Scott gab gestern Abend ein Konzert anlässlich seiner aktuellen Single-Veröffentlichung, und 12 Millionen Menschen sahen zu. Zum Vergleich: Mehr Zuschauer hat die Tagesschau nur zu besonderen Krisen, sonst eher unter 10 Mio. Und wo war das Konzert? Na, im derzeit heissesten Social Network. Fortnite. Wo sich Spieler jetzt einen Travis Scott als Avatar zum Mitspielen kaufen können. Und wo der echte Travis noch weitere 4 Konzerte gebucht hat. Wisst ihr was: Ich spiel selber nicht Fortnite, ist mir zu bunt und kindgerecht (noch mehr als WoW), aber das Video vom Event ist super. Tja dann. Lebt wohl, alte Medien. War ne schöne Zeit. kotaku

Ana Tijoux: Antifa Dance

Heute wichtiger als in Jahren: Antifaschistische Kunst. Gegen die Überlegenheits- und Herrschaftsphantasien einer kleinen Gruppe von weissen Cis-Hetero-Imperialisten und ihrer Fans. Am Ende laufen Klassismus, Sexixmus, Rassismus zu einem totalitären Blutrausch zusammen, die Gewaltfantasien emotional Verarmter treffen heute Sisha-Bars und Synagogen, gestern ganze Länder und Populationen, morgen hoffentlich weniger. Aber das liegt an uns. Und Props an Ana für die Zusammenfassung.

Musik, die mich geprägt hat

In Krisenzeiten wie dieser läuft doch angeblich das ganze Leben an einem vorbei, und spielt einem die wichtigsten Platten seiner eigenen Musikkarriere vor. Ich weiss nicht, ob das wirklich so ist, aber das hier sind die beiden Scheiben, die mich als Musiker am meisten geprägt haben. Oben die erste LP von This Heat (1979), eine der extremsten prog/experimentalen Bands des New Wave, und unten die erste Godflesh (1988), die für mich ebenfalls alles veränderte. Musikalisch. Nicht nur innerhalb von Metal. Triggerwarnung: Beides keine Popmusik.

Insect Ark: Skin Walker

Diese Band erscheint immer wieder auf meinem Radar. Sehr untypisch: Die Verwendung einer Steel Guitar. Sehr typisch: Der kontemporäre Fusion-Black-Metal-Shoegaze-Drone, hier in instrumentaler Version, ohne lästigen Gesang. Sind auf Tour in Europa, im März ein paar Shows hier in Kaltland. insectark

Geld (Das ist es was ich will)

Der Top-40-Hit „Money“ von 1979 ist als Video noch besser. Ein Klassiker. Eine Coverversion der Flying Lizards, das Original von Barret Strong stammt von 1959. via blört

4 Tools zum Musik finden

Ich weiss, als Blogger muss man heute „Du wirst nicht glauben, wie diese vier…“ als Headline platzieren. Mir egal. Ich mochte Tuneglue sehr gerne, aber das funktioniert nicht mehr. Was also tun, wenn man nicht den voreingenommenen Algorithmen von YouTube oder Spotify ausgeliefert sein will? Ich hab mich nach Musik­empfehlungs­tools umgesehen, die auf dem PC (nicht nur als Smartphone-App) laufen und tatsächlich Ergebnisse bringen. Hier sind vier, die ich empfehlen kann: Weiterlesen

The Body & Assembly of Light Choir

Kunst muss ja nicht schön sein. Im Gegenteil, wenn etwas auffallend schön ist, handelt es sich wahrscheinlich nicht um Kunst. The Body sind ein Metal-Duo (Gitarre/Schreien und Schlagzeug), bei dem diese Befürchtung nicht aufkommt. Seit 20 Jahren dröhnen und kreischen Chip King und Lee Buford, seit neun Jahren unterstützt vom Assembly of Light Choir. Das Vid oben zeigt einen Livegig der Collab in New York, von 2011. Die Band tourt im Juli durch Europa: brooklynvegan

Poppy: Scary Mask

Die Youtube-Kunstfigur Poppy (siehe 11k2) mischt aktuell, gemeinsam mit ihrem partner-in-crime Titanic Sinclair, ihren Art-Performance-Pop mit Nu Metal, und dabei entsteht so etwas wie die US-amerikanische Version von Babymetal (hier: headbanger). Die sind irgendwie härter, bringen aber eine Auseinandersetzung mit der japanischen Jugendkultur, während Poppy die US-amerikanische umsetzt. Beides mit Metal als Stilmittel. Schöne Textzeile in Poppys neuem Track: „I wear my scary mask when I’m afraid I don’t belong.“ Tolle Arbeit, so, künstlerisch. Wieder mal. via revolvermag

Robbie Tripp – Chubby Sexy

Er hat da nen Punkt. Und nen Sommerhit. Also, beides. via mefi

Musikindustrie fast tot, Umsätze wachsen weiter

Die Musikindustrie wird, wie wir alle wissen, seit Jahrzehnten durch Piraterie und Raubkopien in den Tod getrieben. So gründlich sind die Mörder der Musik­ab­teilungen internationaler Medien- und Finanzkonzerne, dass nach aktuellen, offiziellen Zahlen die globalen Umsätze um einen erneuten Rekordwert von 9,7 % gewachsen sind. Ein stetiges, jährliches Umsatzwachstum von knapp 10 Prozent hätten wir allerdings auch gerne. Die Hälfte (47 %) stammt mittlerweile aus Streaming. Wir wissen allerdings im Moment nicht, was aus diesem Geschäftsmodell nach Umsetzung der EU-Copyrightdirektive werden soll.
ifpi via pitchfork, pic cc0 lukas

Nimm das, Metallica!

Ich finde, Metallica ist eine Band, über die man sich kaum genug lustig machen kann. Nicht nur wegen ihrer (zurückliegenden) Meinung zu Napster. Hier trägt (oder trug, vor 6 Jahren) Bill Bailey dazu bei. via kottke

Robocopyright, die Rap-Version

Dan Bull hat die Diskussion um die EU-Copyrightdirektive und ihre vielen schreck­lichen Artikel in Reimform gebracht. Dig this. via boingboing

Generative Musik

Alex Bainter ist so freundlich, auf seiner Website eine Vielzahl an generativen Musikstücken bereitzustellen. Also Musik, die nicht komponiert wurde, sondern die von einem Script erzeugt wird, während du zuhörst. Wer ist dann der Urheber und wer hat welche Rechte woran? Naja, drittes Jahrtausend, da passen nicht mehr alle Konzepte aus der frühen „Neuzeit“. via kottke, pic screenshot generative.fm

Moonlight Benjamin

Surf Guitars + Haiti Voodoo = Danger Zone. Neues Album: Sitane. Weiterlesen

Rocknroll wird weiblich, oder zumindest gleich

Eine Studie im Auftrag des Gitarrenherstellers Fender in Britannien und den USA fand, dass 50 % der Gitarren inzwischen an Frauen verkauft werden. Das klingt zumindest nicht mehr nach Männerdomäne. Nachdem die Weltbevölkerung zu knapp mehr als 50 % weiblich ist, sollten auch entsprechend viele Politikerinnen, Unternehmerinnen, Astronautinnen und eben Gitarristinnen dabei sein. consequenceofsound, pic Brett Sayles ccO

Marie Davidson: Work It

Schöner Retrotechnotrack, grossartiger Aufbau, industrialnahe Sounds. via guardian

Always Moving

Voivod, die alten kanadischen Hexenmeister sind zurück. Schön, dass sie noch in unserer Dimension leben. Gestern kam das neue Video oben. Thrash-Metal ist es ja nun keiner mehr, und für Math-Metal ist es zu abgeklärt. Aber die häufig wech­seln­den Minor-Akkorde sind geblieben.

Grossmutter Moog

Der semimodulare (d.h. nur wenige Kabel) Moog Grandmother wurde im Mai auf dem Moogfest vorgestellt, ist hierzulande aber noch nicht lieferbar. In circa zwei Monaten, für 999 Schleifen. Warum ist er hier im Blog zu sehen? Weil das Teil zu einem akzeptablen Preis kommt, alle aktuellen Entwicklungen der elektronischen Musik beachtet und einen astronomisch hohen Coolness-Faktor mitbringt: Vom Namen „Grandmother“ über die ‚mid century modern‘ Farbskala, dicke, haptisch überzeugende Drehnöpfe, 256-Step Sequenzer, Patchkabel für noch mehr Experiment am Sound bis zum eingebauten Retro-Federhall. Ich werd ihn mir nicht kaufen, ich mag Gitarren als Controller lieber als Keyboards, aber ich kann die Grossmutter trotzdem extrem cool finden. moog via fastcompany

Dirty Computer

Janelle Monáe hat schon vor ein paar Wochen diese herrlich dystopische SciFi-Soul-Opera veröffentlicht, parallel zu ihrem gleichnamigen Album Dirty Computer. Hier ist die entsperrte, in Europa natürlich völlig jugendfreie Version. Der Trick: Hooktube macht alle Youtube-Videos zugänglich, werbefrei und versteckt deine Freizeit vor der Neugier Googles.

Shoegaze

Noise Kick FX Reagan Fuzz 2017 Kuato via jwz