VOIVOD – The End Of Dormancy

Keine Frage. Voivod sind alt geworden. Zur Hölle, die Band hat 1982 angefangen. Im Juli kommt das neue Album „The End Of Dormancy“ mit Vinyl-EP-Auskopplung, und hier zeigen die Kanadier, dass man mit zunehmenden Alter eine raffinierte Art von Bosheit entwickeln kann, die dem ganzen Metal-Genre einen massiven Tritt verpasst. Die Pandemie-Cyberpunk-Optik des Videos wächst aus den ersten Anfängen der Ex-Thrasher heraus und bildet nur den Rahmen für ein Stück Präzisionsmetall, das sichtbar über den heutigen Prog-Djent-Post-Metal-Durchschnitt herausragt. Diese Männer wissen genau, was sie tun, und sie tun es mit Modern-Jazz-Bläsersätzen im Intro. Hail Satan! Und der dunkle Lord lächelt sicher zufrieden, während er dem neuesten Werk seiner emsigen Jünger lauscht. Geht mir genau so.

Oranssi Pazuzu: Uusi Teknokratia

Vor nem Monat erschienen, aus dem fünften Album der finnischen Black-Metal-Sinfoniker. Sehr schön. via thequietus

Medien nach der Krise: So wird das aussehen

US-Rapstar Travis Scott gab gestern Abend ein Konzert anlässlich seiner aktuellen Single-Veröffentlichung, und 12 Millionen Menschen sahen zu. Zum Vergleich: Mehr Zuschauer hat die Tagesschau nur zu besonderen Krisen, sonst eher unter 10 Mio. Und wo war das Konzert? Na, im derzeit heissesten Social Network. Fortnite. Wo sich Spieler jetzt einen Travis Scott als Avatar zum Mitspielen kaufen können. Und wo der echte Travis noch weitere 4 Konzerte gebucht hat. Wisst ihr was: Ich spiel selber nicht Fortnite, ist mir zu bunt und kindgerecht (noch mehr als WoW), aber das Video vom Event ist super. Tja dann. Lebt wohl, alte Medien. War ne schöne Zeit. kotaku

Ana Tijoux: Antifa Dance

Heute wichtiger als in Jahren: Antifaschistische Kunst. Gegen die Überlegenheits- und Herrschaftsphantasien einer kleinen Gruppe von weissen Cis-Hetero-Imperialisten und ihrer Fans. Am Ende laufen Klassismus, Sexixmus, Rassismus zu einem totalitären Blutrausch zusammen, die Gewaltfantasien emotional Verarmter treffen heute Sisha-Bars und Synagogen, gestern ganze Länder und Populationen, morgen hoffentlich weniger. Aber das liegt an uns. Und Props an Ana für die Zusammenfassung.

Musik, die mich geprägt hat

In Krisenzeiten wie dieser läuft doch angeblich das ganze Leben an einem vorbei, und spielt einem die wichtigsten Platten seiner eigenen Musikkarriere vor. Ich weiss nicht, ob das wirklich so ist, aber das hier sind die beiden Scheiben, die mich als Musiker am meisten geprägt haben. Oben die erste LP von This Heat (1979), eine der extremsten prog/experimentalen Bands des New Wave, und unten die erste Godflesh (1988), die für mich ebenfalls alles veränderte. Musikalisch. Nicht nur innerhalb von Metal. Triggerwarnung: Beides keine Popmusik.

Insect Ark: Skin Walker

Diese Band erscheint immer wieder auf meinem Radar. Sehr untypisch: Die Verwendung einer Steel Guitar. Sehr typisch: Der kontemporäre Fusion-Black-Metal-Shoegaze-Drone, hier in instrumentaler Version, ohne lästigen Gesang. Sind auf Tour in Europa, im März ein paar Shows hier in Kaltland. insectark

Geld (Das ist es was ich will)

Der Top-40-Hit „Money“ von 1979 ist als Video noch besser. Ein Klassiker. Eine Coverversion der Flying Lizards, das Original von Barret Strong stammt von 1959. via blört

4 Tools zum Musik finden

Ich weiss, als Blogger muss man heute „Du wirst nicht glauben, wie diese vier…“ als Headline platzieren. Mir egal. Ich mochte Tuneglue sehr gerne, aber das funktioniert nicht mehr. Was also tun, wenn man nicht den voreingenommenen Algorithmen von YouTube oder Spotify ausgeliefert sein will? Ich hab mich nach Musik­empfehlungs­tools umgesehen, die auf dem PC (nicht nur als Smartphone-App) laufen und tatsächlich Ergebnisse bringen. Hier sind vier, die ich empfehlen kann: Weiterlesen

The Body & Assembly of Light Choir

Kunst muss ja nicht schön sein. Im Gegenteil, wenn etwas auffallend schön ist, handelt es sich wahrscheinlich nicht um Kunst. The Body sind ein Metal-Duo (Gitarre/Schreien und Schlagzeug), bei dem diese Befürchtung nicht aufkommt. Seit 20 Jahren dröhnen und kreischen Chip King und Lee Buford, seit neun Jahren unterstützt vom Assembly of Light Choir. Das Vid oben zeigt einen Livegig der Collab in New York, von 2011. Die Band tourt im Juli durch Europa: brooklynvegan

Poppy: Scary Mask

Die Youtube-Kunstfigur Poppy (siehe 11k2) mischt aktuell, gemeinsam mit ihrem partner-in-crime Titanic Sinclair, ihren Art-Performance-Pop mit Nu Metal, und dabei entsteht so etwas wie die US-amerikanische Version von Babymetal (hier: headbanger). Die sind irgendwie härter, bringen aber eine Auseinandersetzung mit der japanischen Jugendkultur, während Poppy die US-amerikanische umsetzt. Beides mit Metal als Stilmittel. Schöne Textzeile in Poppys neuem Track: „I wear my scary mask when I’m afraid I don’t belong.“ Tolle Arbeit, so, künstlerisch. Wieder mal. via revolvermag

Robbie Tripp – Chubby Sexy

Er hat da nen Punkt. Und nen Sommerhit. Also, beides. via mefi

Musikindustrie fast tot, Umsätze wachsen weiter

Die Musikindustrie wird, wie wir alle wissen, seit Jahrzehnten durch Piraterie und Raubkopien in den Tod getrieben. So gründlich sind die Mörder der Musik­ab­teilungen internationaler Medien- und Finanzkonzerne, dass nach aktuellen, offiziellen Zahlen die globalen Umsätze um einen erneuten Rekordwert von 9,7 % gewachsen sind. Ein stetiges, jährliches Umsatzwachstum von knapp 10 Prozent hätten wir allerdings auch gerne. Die Hälfte (47 %) stammt mittlerweile aus Streaming. Wir wissen allerdings im Moment nicht, was aus diesem Geschäftsmodell nach Umsetzung der EU-Copyrightdirektive werden soll.
ifpi via pitchfork, pic cc0 lukas

Nimm das, Metallica!

Ich finde, Metallica ist eine Band, über die man sich kaum genug lustig machen kann. Nicht nur wegen ihrer (zurückliegenden) Meinung zu Napster. Hier trägt (oder trug, vor 6 Jahren) Bill Bailey dazu bei. via kottke

Robocopyright, die Rap-Version

Dan Bull hat die Diskussion um die EU-Copyrightdirektive und ihre vielen schreck­lichen Artikel in Reimform gebracht. Dig this. via boingboing

Generative Musik

Alex Bainter ist so freundlich, auf seiner Website eine Vielzahl an generativen Musikstücken bereitzustellen. Also Musik, die nicht komponiert wurde, sondern die von einem Script erzeugt wird, während du zuhörst. Wer ist dann der Urheber und wer hat welche Rechte woran? Naja, drittes Jahrtausend, da passen nicht mehr alle Konzepte aus der frühen „Neuzeit“. via kottke, pic screenshot generative.fm

Moonlight Benjamin

Surf Guitars + Haiti Voodoo = Danger Zone. Neues Album: Sitane. Weiterlesen

Rocknroll wird weiblich, oder zumindest gleich

Eine Studie im Auftrag des Gitarrenherstellers Fender in Britannien und den USA fand, dass 50 % der Gitarren inzwischen an Frauen verkauft werden. Das klingt zumindest nicht mehr nach Männerdomäne. Nachdem die Weltbevölkerung zu knapp mehr als 50 % weiblich ist, sollten auch entsprechend viele Politikerinnen, Unternehmerinnen, Astronautinnen und eben Gitarristinnen dabei sein. consequenceofsound, pic Brett Sayles ccO

Marie Davidson: Work It

Schöner Retrotechnotrack, grossartiger Aufbau, industrialnahe Sounds. via guardian

Always Moving

Voivod, die alten kanadischen Hexenmeister sind zurück. Schön, dass sie noch in unserer Dimension leben. Gestern kam das neue Video oben. Thrash-Metal ist es ja nun keiner mehr, und für Math-Metal ist es zu abgeklärt. Aber die häufig wech­seln­den Minor-Akkorde sind geblieben.

Grossmutter Moog

Der semimodulare (d.h. nur wenige Kabel) Moog Grandmother wurde im Mai auf dem Moogfest vorgestellt, ist hierzulande aber noch nicht lieferbar. In circa zwei Monaten, für 999 Schleifen. Warum ist er hier im Blog zu sehen? Weil das Teil zu einem akzeptablen Preis kommt, alle aktuellen Entwicklungen der elektronischen Musik beachtet und einen astronomisch hohen Coolness-Faktor mitbringt: Vom Namen „Grandmother“ über die ‚mid century modern‘ Farbskala, dicke, haptisch überzeugende Drehnöpfe, 256-Step Sequenzer, Patchkabel für noch mehr Experiment am Sound bis zum eingebauten Retro-Federhall. Ich werd ihn mir nicht kaufen, ich mag Gitarren als Controller lieber als Keyboards, aber ich kann die Grossmutter trotzdem extrem cool finden. moog via fastcompany

Dirty Computer

Janelle Monáe hat schon vor ein paar Wochen diese herrlich dystopische SciFi-Soul-Opera veröffentlicht, parallel zu ihrem gleichnamigen Album Dirty Computer. Hier ist die entsperrte, in Europa natürlich völlig jugendfreie Version. Der Trick: Hooktube macht alle Youtube-Videos zugänglich, werbefrei und versteckt deine Freizeit vor der Neugier Googles.

Shoegaze

Noise Kick FX Reagan Fuzz 2017 Kuato via jwz

Musicmap: Enzyklopädie für die Youtube-Ära

Der belgische Architekt Kwinten Crauwels verbrachte die Freizeitstunden der letzten acht Jahre damit, eine interaktive Enzyklopädie der heutigen Musik zu konstruieren: Musicmap. Er selbst sieht die Website als nicht abgeschlossene, fortlaufende Arbeit, wobei er nicht mit vielen neuen Genres rechnet, da die technische Entwicklung nicht so rasant verliefe wie in den letzten Dekaden des vergangenen Jahrhunderts. Die Crauwels-Map kartografiert vielleicht nicht alle Verästelungen kontemporärer Musik, ist aber ein unschätzbar wertvolles Instrument der Bildung und Erziehung. Am besten, ihr seht euch die hoch-komplexe und -informative Website selbst in Ruhe an: Musicmap, via openculture

Jenseits von Kraftwerk: Noto in Tiflis

Können wir mal aufhören, Kraftwerk nachzuweinen? Die Jungs haben sich ihre Rente wirklich verdient. Und wir haben tolle zeitgenössische Musiker in unserem Land. Hier Carsten Nicolai a.k.a. Alva Noto vor einem Jahr auf dem Sou Festival in Tiflis, Georgien. Schönes Konzert, so bauhaus-tönend und technoid loop-verliebt, wie man es sich nur wünschen kann.

Wie alles begann (auf Tatooine)

John Williams, Komponist der Musik für alle Star Wars Filme (und sonst noch einiges), dirigiert die Aufnahme des Star Wars Eingangsthemas. Hier im Jahr 2016. Ein historischer Moment, anyway. via kottke

Ten Disco-Ragas of the Week

Charanjit Singh ist der Ahnvater des Acid House. Das Album Ten Ragas to a Disco Beat ist von 1982 und nimmt die Acid-House-Welle vorweg, ohne im kulturell rückständigen Westen bekannt zu sein. Das klappte erst vor 15 Jahren. Durch Zufall.

Krallice: Loüm

Die New Yorker Black-Math-Metal-Band Krallice, verstärkt um den Neurosis Bassisten Dave Edwardson an den Synthies. Als ob Blind Idiot God und Meshuggah zeitgleich per UFO-Traktorstrahl von Aliens entführt und in ein ausserweltliches, post-euklidisches, blasphemisches, gitarrenfressendes Mischwesen ge-spliced wurden. Metal-Album der Woche, des Monats und wahrscheinlich auch für das restliche ’17. via mefi

AC/DC: Hoover High Power Compact

Staubsaugerwerbejingle von 1980. via dangerousminds