Der Neoliberalismus als langfristiges Projekt: David Harvey

Warum wird das Leben für fast alle Leute auf dem Planeten jedes Jahr ein klein bischen härter, aber gleichzeitig für sehr, sehr wenige sehr schnell sehr viel besser? Warum sinken Reallöhne, wenn man die reale Preissteigerung ohne Luxusgüter ansetzt, während die Milliardäre ständig, also zunehmend, mehr einnehmen? War das schon immer so? Gibt es geschichtliche Fakten dazu, Zahlen, die wir vergleichen können? Ja, aber sicher doch. David Harvey, der somewhat führende Sozialtheoretiker unserer Tage, erklärt das alles in verständlicher Form und in zahlreichen Publikationen. Drüben im Jacobin ist gerade ein Interview mit dem inzwischen 83jährigen Visionär online. Darin sagt uns David (hier eine Laudatio zum 80sten im Neuen Deutschland), der übrigens den völlig fantastischen Twitter-Account Humans Of Late Capitalism betreibt, als Weiterführung des Marxismus mit Katzenbildern, dass Neoliberalismus ein Jahrzehnte währendes Projekt der Milliardäre (a.k.a Kapitalisten, a.k.a. besitzende Klasse) ist, mit dem Ziel, die progressive Entwicklung der Nachkriegszeit in der 50ern, 60ern und 70ern des 20sten Jahrhunderts, die Erstarkung der Gewerkschaften, der Frauen- und der Friedensbewegung zu zerschlagen und die ungehemmte Bereicherung der Wirtschaftselite zu garantieren. Lest selbst: jacobin, pic readingcapital cc by

Der gute Krieg

Der fantastische Webcomic „The Good War“ von Mike Dawson und Chris Hayes zeigt sehr genau, wie die aktuelle Terrorpanik der USA und ihrer Aliierten seit dem An­schlag auf das World Trade Center nur die Folge einer über lange Jahre aufge­bau­ten Verherrlichung des zweiten Weltkriegs geworden ist. Der angeblich fröhliche Neoliberalismus der Clinton-Ära und die völlige Hinwendung zu materiellen Zielen liessen eine tiefe Sehnsucht nach höheren, gemeinsamen Zielen offen. Weiterlesen

Klartext der Woche: Macron, wir bekämpfen dich!

Yanis Varoufakis stellt sich aktuell wieder schön plakativ gegen den unvermindert galloppierenden europäischen Neoliberalismus: Nachdem er (und wir anderen von DiEM 25 auch) neulich noch zur Wahl Macrons zum französischen Staats­präsidenten aufgerufen hatte, um LePen zu verhindern, erklärt er nun, ihn von der ersten Stunde an zu bekämpfen. Richtig. Weder die Franzosen noch die anderen Europäer können nämlich einen weiteren Abbau von Arbeitsschutzgesetzen, Bankenregulierung und Mitbestimmung gebrauchen. Wir hier im Maschinenland rechts von Frankreich (auf der Weltkarte) sollten das als Ermutigung verstehen. Und auch gegen unsere nationalen Neoliberalen kämpfen. project syndicate, pic via SkriptaTV

Bahnstreik: Die Angst vor der Arbeiterklasse

v_for_vendetta

Eigentlich undenkbar im wiedervereinigten Deutschland: Eine Gewerkschaft verkündet den Streik der von ihr vertretenen Berufsgruppe. Und gleich für mehrere Tage! Kein Wunder, dass die privatwirtschaftlichen Medien im Chor mit regierungsnahen Rundfunkanstalten aufheulen, Missbrauch des Streikrechts anmahnen und von Millionenschäden für die Wirtschaft sprechen. Und nicht einmal vor plakativer Veröffentlichung von Adresse, Telefonnummer und Foto vom Wohnhaus des Gewerkschaftsvorsitzenden zurückschrecken. Ach so, dann ist doxxing gar nicht von 4chan erfunden worden? Weiterlesen