Hat jeder Mensch das Recht auf eine Viertelstunde Star?

Rocknroll: Vier Jahre nach meiner Netzhautreparatur mit Einbau einer kalifornischen Kunstlinse (man kann nie genug Kunst haben) meldet sich der Nachstar, noch dazu der regenerative. Auch bekannt aus sekundärer Katarakt oder Elschnig-Perlen. Einfacher: Der werte Body bildet ungefragt etwas blubberiges Gewebe an der Innen­seite der Linse. Das sieht dann in etwa so aus, als ob man durch eine noppelige Bade­zimmerglastür schaut und deswegen rein gar nichts erkennt ausser unter­schied­lich hellen Umrissen. Bei mir und aktuell glücklicherweise nur auf dem rechten Auge. Kann man absaugen, sagt mein Arzt (da war ich grade), man muss nur das Auge ein ganz klein wenig aufschneiden und den Saugrüssel einführen. Ja, wenn man Pech hat, geht das ganze Linsenhalterungsgewebe dabei flöten und man sieht anschliessend nur noch hell/dunkel, ohne Umrisse. Nein, lasern kann man das nicht. Ja, bezahlt die Krankenkasse. Nein, das auf dem Foto oben bin nicht ich, das ist Malcolm McDowell in Clockwork Orange. pic c Warner Bros.

Daran gewöhnen Sie sich schon

zwei_bilderDas war heute mein letzter Besuch in der Augenklinik, gut zwei Jahre nach meiner ersten OP dort im April 14. Die Netzhaut ist schön wieder angewachsen, nur ganz rechts aussen fehlen 10 oder 15 Grad Sichtfeld. Das Pic beschreibt das noch bestehende Problem: Mit dem linken Auge seh ich das Testgitter ganz normal, wie ihr auch, mit dem rechten dagegen verbeult. So ähnlich wie auf dem rechten Pic, allerdings in mehreren Punkten im Bereich der Bildmitte (a.k.a. Makula), nicht nur einem. Immerhin: keine Löcher, keine Verdunkelung, nur Verzerrungen. Wenn ich also was genau sehen will, muss ich nur das rechte Auge zukneifen. Beide zusammen ergeben ein unsicheres Bild mit schlechter Räumlichkeit, gerade bei Bewegungen im Raum. Würde ich mir eine schicke Piraten-Augenklappe besorgen, könnte ich sofort wieder arbeiten, Auto fahren, voll am Leben teilnehmen (Bonus: Piratenromantik). Allerdings würde mein Sehzentrum dann nie lernen, die beiden Bilder zu einem zusammenrechnen. Das kann ein paar Jahre dauern, wie mir der Herr Chefprofessor heute persönlich versichert hat: „Daran gewöhnen Sie sich schon“. Ja, danke, das hatte ich mir auch schon gedacht. Irgendwann fahr ich auch wieder Auto. Nur mit mehr PS, schneller und „4 wheels off the ground“, weil ich dann ja ein paar Jahre Lenk­rad­pause nach­holen muss. Bis dahin kann ich ja gefahrlos mit Egoshootern trainieren. Pew pew.

Nur keine falschen Hoffnungen

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Das war jetzt so ne Art Abschlussveranstaltung heute. Was am 9. April letzten Jahres mit meiner ersten Augenoperation begann, ist dann also durch. Nach der dritten Cortisonspritze vor sechs Wochen (und allem möglichen in den eineinhalb Jahren dazwischen) kann man soviel sagen, dass die Netzhaut-Operation an sich funk­tioniert hat, die danach aufgetretene Netzhaut-Entzündung und -verformung aber nicht behandelt werden konnte. Operieren kann man sowas nicht und immer noch mehr Cortison reinpumpen bringt auch nichts. Das heisst: Der wellige, verzerrte Seh-Eindruck auf dem rechten Auge und das daraus resultierende kaputte räumliche Sehen wie auch das schnelle Ermüden des gesamten optischen Systems beim Lesen und Schreiben wird wohl so bleiben. Meine Honda-Schaluppe (den 97er Civic) kann ich dann wohl zum Blechpreis verkaufen, weil’s das dann mit dem Auto­fahren auch war, und mir nen neuen Job ohne viel Lesen und Schreiben suchen. Keine Ahnung, wie das alles gehen soll. Die Glasaugen aus dem 3D-Printer wie oben von Fripp Design werd ich eher nicht brauchen. Trotzdem bin ich irgendwie erleichtert. Keine falschen Hoffnungen mehr auf irgendwelche Tricks der konven­tionellen Medizin. Ab sofort nur noch Voodoo.

St. Octopus, der Stellarator, Big Data, und das neue Zwei-Klassen-Internet

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So wenig Artikel wie zur Zeit gabs in der ganzen, über 8-jährigen Geschichte dieses Blogs noch nicht. Anfangs bis zu 11 Einträge pro Tag, heute einer pro Woche. Grund: Meine Augen werden nicht gesund, die ganze Netzhautgeschichte dauert jetzt seit über eineinhalb Jahren, übermorgen hab ich meinen nächsten Termin in der Augenklinik. Ich hatte schon unterhaltsamere Zeiten. Deshalb setze ich hier eine Zusammenfassung der Stories rein, die mir in den letzten 2 Wochen im Web besonders aufgefallen sind.

Zentrales Thema: Das EU-Parlament hat heute defacto das Ende der Netzneutralität in Europa beschlossen. Telekom-Konzerne haben bald freie Hand, welche Internetdaten sie wie schnell durchlassen. Dafür wird Roaming etwas billiger, fällt aber auch nicht ganz weg. Und warum? Weil nur 48 Prozent von euch im Mai 14 zur Wahl gingen. Deswegen. Und, ja, sie können dann auch verschlüsselten und VPN-Traffic einbremsen. Tja.

In Kürze wird in Greifswald, im Labor der Max-Planck-Gesellschaft, ein Stellarator in Betrieb gehen. Der Wendelstein 7-x ist der erste Fusionsreaktor, der eine halbe Stunde lang laufen kann. Bisherige Geräte vom Typ Tokamak können nur Sekundenbruchteile. Richtig Strom erzeugen wird aber erst der nächste Stellarator in einigen Jahren.

Komet Lovejoy versprüht Alkohol. Ja, Kometen enthalten komplexe organische Verbindungen. Nicht nur lauwarme Planeten wie die Erde.

„Peak Fisch“ haben wir bereits hinter uns. Die Ozeane sind überfischt, die Erträge weltweit gehen zurück.

Führende Polizeichefs der USA haben den „War On Drugs“ für gescheitert erklärt.

Durch die globale Erwärmung wird sich das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle noch weiter verstärken. Die reichen Länder werden reicher, die armen ärmer. Der US-Energiekonzern Exxon wusste übrigens seit den 80ern, wie sich das Klima entwickeln würde, gab aber viel Geld aus, um die Öffentlichkeit vom Gegenteil zu überzeugen.

Botnets, mit denen das organisierte Verbrechen durch DDOS-Erpressung sehr viel Geld verdient, laufen inzwischen auch auf Überwachungskameras. Die praktisch ungesichert am Internet hängen. Beruhigend, nicht wahr?

Das neue Wort für „Diktatur“ ist jetzt „Big Data“. China führt eine Bürgerbewertung für alle Einwohner ein, der mit dem Personalausweis verknüpft und unter anderem durch das Verhalten in Social Networks bestimmt wird. In den „freien“ westlichen Industrienationen erstellen Banken einen Vulnerability Index mit ähnlichen Mitteln, um zu ermitteln, wie beschissene Konditionen für Finanzdienstleistungen man bestimmten Personen reinpressen kann. Ist dasselbe, klingt nur ein wenig anders.

Das Bild oben zeigt einen Pazifischen Riesenoktopus, zu Gast im Aquarium von San Francisco, von cliff cc by

Der Kult der blauen Gasblase

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Meine zweite Augen-OP war vor 4 Wochen, so langsam sollte das Füllgas verschwunden sein und durch Körperflüssigkeit ersetzt. Sagten die Ärzte. Hm. Fast. Wenn ich geradeaus sehe, ist das Bild des rechten Auges noch etwas verschwommen oder verzerrt (die Netzhaut liegt wohl nicht völlig eben) und am unteren Rand ist eine Störung, so als ob ich grade irgendwo dagegengeknallt wäre und das Auge dabei ist, zuzuschwellen. Weiterlesen