Wann ist man als Mann nicht Teil des Problems?

Alexandra Stanic schreibt gerade im Vice einen guten Kommentar zum Identitäts­problem fortschrittlicher, progressiver oder eben politisch links stehender Männer. Tatsächlich ist es für manche schwer vorstellbar, Teil des Problems zu sein, nur weil man ein Mann ist. Exakt. Damit ist man Teil der Problemgruppe und steht in der Verantwortung, sich zu distanzieren. Vom Patriarchat. Dem man gar nicht angehören möchte. Dem man per angewachsenen primären Fortpflanzungsorganen aber angehört, ausser, man tut sehr nachdrücklich etwas dagegen. Ja, richtig. Ich bin Teil des Patriarchats, also ist es mein Job, es zu zerstören. Wie auch gegenüber dem Kapitalismus habe ich sowohl eine individuelle Handlungsoption, nämlich mich möglichst wenig daneben zu benehmen, und dazu eine gesellschaftliche, nämlich die Rechtfertigungstheorien des Patriarchats anzugreifen, wo immer es sich zeigt. Nein, ich will keinerlei Unterdrückung oder Ungleichbehandlung dulden. Das Pic ist von John Henry Frederick Bacon und pd.

Was sagt der Koran wirklich über den Hijab?

Samina Ali wurde in Indien geboren und lebt heute in den USA. Die Autorin wurde bekannt als Aktivistin im islamischen Feminismus. Für viele von uns, die sehr an das Patriarchat gewöhnt sind und die Ausflüchte verinnerlicht haben, Unterdrückung von Frauen sei eine Sache von Religionen und nicht von Männern, ist „islamischer Feminismus“ ein unverständlicher Begriff. Richtig: „christlicher Feminismus“ wäre genau so unverständlich, weil wir im Grunde Feminismus oder Gleichstellung und Gleichberechtigung als zivilisatorische Errungenschaft des „Westens“ ansehen. Und das ist wiederum altes koloniales Denken, von dem wir uns dringend befreien müssen. Frau Ali erklärt hier in knapp 18 Minuten, was wirklich im Koran steht, was es mit Bekleidung und Verschleierung auf sich hat, und was das Patriarchat (also einige wenige maskulinistische Extremisten und ihre vielen Mitläufer) daraus gemacht haben. Meinen Respekt: So deutlich bekommt man das selten erklärt. Eins noch: Nachdem wir das erklärt bekommen haben, ist es unsere gesellschaftliche Aufgabe, gegen die Männlichkeitsfundamentalisten aufzustehen und Position gegen das Patriarchat zu beziehen. Überall dort, wo wir es antreffen.

Was wir schon immer über Venus wissen wollten

Machen wir uns nichts vor: Gillette ist ein Unternehmen, das möglichst viel Profit machen will. Genauso wie die anderen Teile des Konzerns Procter & Gamble, zu dem die Rasiererfirma gehört. Allerdings haben sie in letzter Zeit durch unge­wöhn­liches Marketing Aufsehen erregt, so wie im Video „We Believe: The Best Men Can Be“ (siehe unten), das die Männlichkeit als Werbevehikel für Rasierer von ihrer toxischen Seite trennt – sehr zum Missfallen vieler Typen, die sich dadurch auf die Zehen getreten fühlen. Weiterlesen

Übrigens: A woman’s place is in the resistance

Wobei wir uns einig sein sollten, dass sie es auch da schwerer hat, weil sie sich ebenfalls gegen die Reste des Patriarchats durchsetzen muss. Trotzdem. Unser gemeinsamer Widerstand gegen Unterdrückung, Diskriminierung, das Imperium in jeder Form darf nicht aufhören. Im Übrigen ist das nur meine Meinung und alle Menschen sollen bitte selber entscheiden, wo ihr Platz ist. Aber das Plakat ist schön. Just saying.

Falsches Zitat der Woche

Weil der freundliche Teil des Internet seit Tagen drüber kichert… ihr alle kennt das Zitat: „Ich bin zwar gegenteiliger Meinung als Sie, werde aber mit meinem Leben dafür einstehen, dass Sie die Ihre äussern dürfen“? Wer hat’s gesagt? Voltaire (siehe pic)? Nein, seine Biografin Evelyn Beatrice Hall, die unter dem Pseudonym Stephen G. Tallentyre veröffentlichte. Erstens: Na, so was. Zweitens: Ein weiteres Beispiel aus einer schier endlos langen Reihe von Leistungen, die von Frauen geschaffen, aber Männern zugeordnet werden. Weil das alte Patriarchat immer noch wirkt. Mehr als uns bewusst ist. Ich will eine freie Gesellschaft, also muss zuerst dieser alte Krempel über Bord geworfen werden. Dann schaffen wir das vielleicht auch irgendwann, das Konzept der Meinungsfreiheit von Frau Hall umzusetzen. via robertsharp, pic Nicolas de Largillière pd

Die Piratenpartei, der Feminismus und das Messias-Problem

Niemand hätte erwartet, dass eine Partei mit einem so pittoresken Namen binnen fünf Jahren in den deutschen Parlamenten sitzen würde. Das bedeutet wohl, dass der entsprechende Bedarf vorhanden war, nachdem sowohl Grüne als auch Linke als progressive Hoffnungsträger versagt hatten. Weiterlesen