Wirtschaftliche Menschenrechte fehlen noch

Ja, natürlich garantiert die Menschenrechts-Charta auch das Recht auf wirtschaftliche Betätigung, gerechte Entlohnung, freie Entfaltung, Rechtssicherheit. Aber in der Umsetzung hapert es. Am besten läuft es in den skandinavischen Ländern, am schlechtesten in den ‚failed states‘ unseres Planeten (Somalia, USA, etc) oder in den Prekariatsschichten aller Länder. Und deswegen stellt einer der grossen Vordenker unserer Ära, der unabhängige US-Politiker Bernie Sanders, eine ‚New Economic Bill of Rights‘ auf, die festschreiben soll, dass alle Menschen (er spricht zunächst von seinem eigenen Land) auch wirtschaftliche Grundrechte haben sollten, nämlich das Recht auf einen anständigen Job mit einem Einkommen, das ein anständiges Leben ermöglicht, ein Recht auf vollständige Gesundheitsfürsorge, ein Recht auf kostenlose Bildung, ein Recht auf bezahlbares Wohnen, ein Recht auf eine saubere Umwelt und ein Recht auf eine sichere Rente. Da hat Bernie vollkommen Recht, und nicht einmal in unserem, superreichen Land ist all das garantiert – und muss deswegen als Grundrechtecharta eingeführt werden. Das können wir dann gerne ‚demokratischer Sozialismus‘ nennen, das schadet dann auch nichts. Hauptsache, allen Leuten geht es gut. via truthout, pic AFGE cc by

Die USA, ein Entwicklungsland und Vorbild für den Rest der Welt

Der US-Ökonom Peter Temin, Professor am MIT, beschreibt in seinem neuen Buch „The Vanishing Middle Class: Prejudice and Power in a Dual Economy“ einen Vorgang, der seit einigen Jahrzehnten nicht nur in den USA, sondern in allen Industrieländern stattfindet: Die Teilung eines eigentlich reichen Landes in ein produktives, von gut verdienenden Spezialisten bewohntes – und ein armes Entwicklungsland mit Arbeitern im Agrar- und Dienstleistungssektor. Weiterlesen

Was wir zu Beginn der Robokalypse von den Ludditen lernen können

Gleich vorneweg: Es hat nichts gebracht, Holzschuhe („sabot“) in Maschinen zu werfen, um diese und damit die menschenunwürdigen und miserabel bezahlten Jobs zu „sabotieren“. Und heutige Serverfarmen würden sich von einer solchen Verzweiflungstat noch weniger beeindrucken lassen als dampfkraftbetriebene Webstühle. Aber die Situation ist direkt vergleichbar. Eine Parallele. Und bietet uns Lösungwege an. Die eingangs erwähnte Robokalypse ist ja nicht eine militärische Singularität wie in „Terminator“ und den anderen simplifizierenden Scifi-Dystopien, in welchen die Menschheit durch Roboter nach plötzlich erwachtem künstlichem Bewusstsein ganz oder teilweise ausgerottet wird. Weiterlesen

Politik, Lügen und Rechtspopulismus

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Bis zur Reagan/Thatcher-Ära, die um 1980 begann, glaubten fast alle Bewohner der „westlichen Welt“ an ein Gemeinschaftsideal, an eine bessere Zukunft für alle, sogar an gewisse gesellschaftliche Fortschritte (Frauenrechte, Ende der Apartheit, soziale Programme). Allerdings wurde als Garant dieser Fortschritte ab 1980 von der politischen Elite – und von der Medienelite – ein zunehmender Wohlstand der Wirtschaftselite genannt: Die Trickle-Down-Hypothese besagt, dass es allen Menschen immer besser geht, wenn die Reichen reicher werden, Preise vor allem für Wohnen stetig steigen und wenn internationale Abkommen für immer noch mehr globalen Handel sorgen. Nur hat das nicht funktioniert. Wie auch. Weiterlesen