Grundrecht auf heile Welt

Aufgeschreckt von richtig schlechter, lauter Musik unterbreche ich meine fein ge­chillten Ferienaktivitäten, nur wegen ein paar zaunlattenverarmten Gestalten direkt vor meinem Fenster. Corona, my ass. Es ist was anderes, wenn man diese Fans in­halts­leeren Protests in Videoberichten und Nachrichtenbeiträgen sieht. Aber in der eigenen Nachbarschaft? Mit Spruchbändern, die ein Ende der Pandemie einfordern, das Recht auf Fragen und ganz allgemein das Grundgesetz (das den Spruchblasenjongleuren immerhin das Recht auf eine solche Veranstaltung garantiert). Ganz abgesehen davon, dass diese Pseudoproteste gegen allgemeine Hygienevorgaben während einer Epidemie eine ausgesprochen systemstabilisierende Wirkung haben – immerhin muss sich jeder denkende Mensch hier zähneknirschend auf die Seite der Regierung stellen und Protest als legitimes demokratisches Meinungsbildungsinstrument wird im Ganzen lächerlich gemacht – fordern die 50 – 100 lokalen Schlafschafe (in deren eigener Terminologie) am Ende nichts anderes als ein Recht auf heile Welt. Niemand soll über die Pandemie reden, Hygiene soll nur für andere gelten, alles soll wieder so sein, wie es früher niemals war. Und währenddessen klafft die Einkommensschere in unserem Land von Jahr zu Jahr weiter auf, Milliardäre leben prima auf Kosten der Allgemeinheit, und tatsächliche, nicht halluzinierte Grundrechte wie das auf Asyl werden pulverisiert. Nein, wirklich, ich finde Leute, die ernsthaft auf Antihygienedemos gehen und ein dort Ende der Schutzvorkehrungen fordern, komplett lächerlich und bescheuert. By the way, das oben erwähnte Grundgesetz garantiert, dass ich das denken und sagen darf. Yay. (pic von mir cc by sa)

Burn The Rich, Alex Schaefer

Der Maler Alex Schaefer fertig Bilder von brennenden Filialen der Chase-Bank an (oben) und trägt sie auf Demos und Protesten für alle sichtbar (unten) mit sich. Bisher ist er noch nicht wegen Aufforderung zu Wasauchimmer oder allgemeinem Thought Crime verhaftet worden. Alex bringt damit Kunst buchstäblich auf die Strasse zurück. Weiterlesen

Internet Slowdown Day

avatar-white-redHeute ist der „Internet Slowdown Day“, an dem vor allem US-ameri­kanische Websites und Techfirmen gegen die Pläne der US-Telekom­regulierungsbehörde FCC protestieren, die Netz­neutralität zugunsten erweiterter Profit­möglich­keiten für Internetanbieter abzuschaffen. Weil diese Versuche auch in Deutschland (und Europa) unternommen werden, schliesse ich mich dem Protest an. Wenn nächstesmal Telekom­firmen versuchen, reduzierte Internetgeschwindigkeit oder reduziertes Daten­volumen als normal zu verkaufen, und das Internet, wie wir es kennen, nur noch gegen profitablen Aufpreis, werden gemeinsam (ungeachtet aller sonstigen Meinungsunterscheide) dagegen sein. Und wir haben in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass ein Protestpotential von wenigen Prozent der Bevölkerung ausreicht, um die grossen politischen Entscheidungen zu beeinflussen. Also sollten wir das auch tun. Ich zähle auf euch. gif: internet

Die dafür zuständigen Millionäre

Der britische Kolumnist und Autor Johann Hari beschreibt die Haltung der politischen Elite in seinem Land mit diesen, in satirischem Zusammenhang an die Jugend des Landes gerichteten Worten:

„Kommt nicht auf irgendwelche schicken Ideen von gesellschaftlichem Engagement. Konzentiert euch wieder auf Xbox und Xfactor und überlasst die Politik den dafür zuständigen Millionären“. Schön formuliert, Johann. Weiterlesen

Protest gegen das Burqa-Verbot

Die Franzosen wissen einfach, wie man sowas macht. (via dailywhat)

Teufelskreis der Armut

(via dailywhat, reddit)

To Serve & Protect

(jen takes pictures via thisisnthappiness)

Frankreich: Demonstration gegen… das Facebook-Redesign

090420f_facebookWas treibt in Frankreich die Massen auf die Strasse, lässt sie Protest-Transparente entrollen und Schreie der Wut und Entrüstung ausstossen? Die Auflösung der Bürgerrechte im Internet Weiterlesen