Wie man erfolgreich mit durchgedrehten Kindern spricht

Yeah. Letzter Schultag. Mission accomplished. Das waren 11 extrem gefüllte Monate als Schulbegleiter an einer lokalen Grundschule. Was ich gelernt habe: 1 Wenn man hypermotorische, aggressive Kinder fragt, was das Problem ist und wie man ihnen helfen kann, kriegt man meistens (nicht immer) schlüssige Antworten. 2 Kleine Fäuste sind ein wichtiges Kommunikationsmittel, die darf man nicht verbieten, und die kleinen blauen Flecken davon sind bald wieder weg. 3 In den ersten Monaten an der Schule dachte ich, ich hätte einen völlig neuen Lebensabschnitt betreten, nach Abschnitten als Musiker, Tontechniker, IT-Journalist, Politiker jetzt eben Schul­be­gleiter, also etwas sozialpädagogisches. Nein. Ich mach seit 30 Jahren dasselbe: Kommunikation. Deswegen klappt das inzwischen auch ganz gut. Tatsächlich hab ich so gut wie alle Probleme mit Kommunikation gelöst, mit Empathie. Nachdem der kindliche Wutanfall vorbei war. Manchmal mit Festhalten, damit das Rumpelstilzchen nicht sich oder andere verletzt (Erste Regel: Es darf kein Blut fliessen). 4 Die Grundschullehrerinnen (sind meist Frauen) haben meinen vollen Respekt. Was für ein Höllenjob, was für ein Enthusiasmus, was für eine Liebe zur Erziehung. Ich könnte diesen Job nicht machen. Aber den Job, den ich in den letzten 11 Monaten gemacht hab, den mach ich ab September wieder, dann an einer Mittelschule. Auch wenn ich mit der Gage meinen Lebensunterhalt nicht decken kann, aber der Job macht Sinn, und er macht mich glücklich. Beispielbild pixabay cc0

Öfter mal ein neuer Lebensabschnitt

Erster Schultag. Zwar keine Schultüte, aber sowas wie ein Schritt von schwankenden Planken auf festes, wenn auch unerforschtes Land. Meine bisherigen Berufe, näm­lich Tontechniker, Tech-Journalist, Politiker, hatten mich nur so halb überzeugt. Aber mein kurzer Aushilfsjob als Schulbegleiter vor zwei Jahren war zwar definitiv an­strengend, dafür aber sinntragend: Ich kann dazu beitragen, dass ein Kind mit individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen eine Chance bekommt, und nicht an den Rand gedrängt wird. Das mach ich jetzt die nächsten 11 Monate, und darauf freu ich mich. Heute wars schonmal lustig. Ich glaube, ich mag Leute mit ADHS. Das Bild oben ist pd, von Allan Stewart und zeigt die Landung der Miniflotte Vasco Da Gamas in Südindien im Jahr 1498. So als Symbol für neues Land, auch wenn die konkrete Landung von Herrn Da Gama für die Südinder kein echter Grund zur Party war. Meine früheren Berufe kann ich ja weiter Nachmittags verfolgen, by the way, aber heute nicht, da hab ich mir statt der Schultüte Pizza und Radler bei Bob’s am Helmut-Haller-Platz spendiert und den Rest des Tages frei.

Was ich in der Schule gelernt habe: Autismus und Untote

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Nicht in der Grundschule in den 60ern, und dann im Gym in den 70ern, das hab ich überwiegend schon vergessen, sondern in den letzten 5 Wochen als Schulbegleiter. Tag für Tag je 5-6 Stunden mit meinem Betreuungskind in einer bayrischen Realschule. Ich habs mir schlimmer vorgestellt. Beides. Tatsächlich lernen die Kids da ordentliches Englisch, Deutsch und Mathe, haben Sport und Kunst und Musik, und leider auch 2 Wochenstunden Religion mit diesem ganzen an den Haaren herbeigezogenen Unsinn über einen mythischen, untoten Religionsgründer. Man kann tatsächlich durchfallen wegen dieser Märchenstunde, anders als in Kunst, Musik oder Sport. Krass. Und der Erdkundelehrplan ist klar aus den 90ern. Egal, die Kids vergessen sowieso bald wieder alles. Weiterlesen

Wo Begabung ein Problem ist

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Seit Montag dieser Woche (heute ist also mein dritter Tag) arbeite ich als Schul­begleiter (a.k.a. Schulassistent) für ein Kind mit diagnostizierter sogenannter Autismus-Spektrum-Störung an einer Realschule im Umkreis meiner Heimatstadt. Das Puzzle-Icon wie oben im Beispielbild wurde in den Sechzigern erfunden, als man noch nicht mit Autismus umgehen konnte, und ist daher veraltet. Den Job als Springer für einen Monat (der 29.6. ist mein letzter Tag dort) bekam ich von einem Bekannten angeboten, den ich nicht zuletzt in ehrenamtlichen sozialen Projekten wie dem Grandhotel Cosmopolis immer mal wieder treffe. Weiterlesen