Wenigstens frieren für Afrin

Wenn ich schon sonst wenig tun kann: Ich war heute mit weiteren 600-700 Leute auf einer Demo in meiner lokalen Innenstadt, um gegen den türkischen Angriff auf die nordsyrische Stadt Afrin zu protestieren. Ja, richtig, in Deutschland gebaute Leopard-2-Panzer rollen seit zwei Wochen nach Syrien, mehrere Hundert Zivilisten wurden bereits mit Luftunterstützung getötet. Weiterlesen

Griechenland macht Ernst mit der Säkularisierung, Türkei mit dem osmanischen Grossreich

Das griechische Parlament hat ein Gesetz beschlossen, das die Justiz endlich voll­ständig in öffentliche Hände legt. Und aus der Händen der Religion reisst. Konkret geht es dabei um die Aufhebung von Vereinbarungen der Verträge von Sevres 1920 und Lausanne 1923, in welchen die islamische Minderheit in Nordgriechenland das Recht erhielt, familiäre Angelegenheiten wie Heirat, Scheidung, Erbschaft etc, durch Geistliche regeln zu lassen statt durch ordentliche Gerichte. Weiterlesen

Türkei: Helden werden verhaftet

Im Sultanat am Bosporus werden gerade Leute verhaftet, wenn sie ein Tshirt mit der Aufschrift „Hero“ tragen. Weil ein Angeklagter in den aktuellen Schauprozessen zum Pseudoputsch von neulich ein solches Tshirt anhatte. Seht ihr: DAS ist Zensur und Unterdrückung von freier Meinung. Die Türkei ist also schon viel weiter auf dem Weg zurück in den Fasschismus als die meisten anderen Nationen. Wir haben das Glück, in einem ausgesprochen freien Land zu leben. Obwohl, Glück sollte man es nicht nennen, wenn die hierzulande erlebte Freiheit einfach nur eine Reaktion auf die extreme Unfreiheit des deutschen Faschismus bis 1945 ist. Tatsächlich musste diese Freiheit erkämpft werden, und zwar bis zum heutigen Tag. Und in Zukunft. Und es ist die Pflicht aller Bürger eines Staates, dafür zu kämpfen, dass die Freiheit erhalten, und, wo nötig, erweitert wird. Gegen die ständigen ernsthaften Bemühungen der Autoritären, Reaktionären und Antidemokraten, diese Freiheit zu zerstören und wieder einen Faschismus einzuführen. pic mahir zeynalow

Als ob die Nazizeit unser einziges Problem wäre, Herr Bozdağ

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Der amtierende türkische Justizminister Bekir Bozdağ (siehe pic) hatte vor, im baden­sischen Gaggenau bei Karlsruhe einen Wahlkampfauftritt für die geplante Verfas­sungs­änderung (in Richtung Präsidialdiktatur) der Türkei abzuhalten. Das hat nicht geklappt, weil die Stadtverwaltung nicht für die Sicherheit in der kleinen örtlichen Halle garantieren konnte. Reaktion des Würdenträgers: Er empfahl den Deutschen, sich an ihre Geschichte zu erinnern und wähnte, dass nun die alten Schrecken wieder aufflackern würden. Das war aber fix, Herr Minister. Kaum klappt was nicht wie geplant, kommt die Nazikeule zum Einsatz. Weiterlesen

Der Militärputsch, der keiner war

Ja, ok, der „Militärputsch“ in der Türkei war ein Fake. Eine Inszenierung. Politisches Schmierentheater. Kaum Truppen beteiligt, keine Gefechte, Erdogan in keinem Moment in Gefahr, nur ein bischen Geballer und Falschmeldungen, die ein paar Unglückliche zum Jubeln veranlasst haben. Wofür sie mit ihrem Leben bezahlen werden. Jetzt ist das Tor zur islamischen Diktatur, zum lange erträumten Sultanat weit offen. Der Ärger geht erst richtig los, da bin ich sicher. Hinrichtung von Demokraten, Gleichschaltung der Presse, regionaler Machtanspruch, Einmarsch des türkischen Militärs nach Syrien und in andere Nachbarländer… wir haben zu lange zugesehen und die totalitären Ambitionen Erdogans verdrängt. Der US-Aussenminister John Kerry hat übrigens schon nach Beweisen für die Version Erdogans von einem Putschversuch gefragt. afp

Erdogan, Böhmermann und die Ziegen aus transatlantischer Sicht

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Die Farce um das sogenannte Spottgedicht Böhmermanns, das sich eigentlich mit den Grenzen von Kunstfreiheit in Deutschland beschäftigt und weniger mit den sexuellen Vorlieben des türkischen Staatschefs und heimlichen osmanischen Kalifen beschäftigt, trotzdem aber eine Staatsaffäre generierte, wird ausserhalb von Europa mit zunehmenender Verwunderung betrachtet. Oder eben wie hier als Cartoon dargestellt. tomthedancingbug via boingboing

Syrien als Schachbrett, der islamische Staat, und der Anschlag von Paris

Die US-Neo-Journalismus-Seite Vox.com erklärt in diesem Video überraschend präzise, warum der „Islamische Staat“ immer noch existiert, obwohl er so gefährlich ist: Wegen des geostrategischen Schachspiels, das in Syrien gerade abläuft. Der Konflikt zwischen der US-Expansion in bisher russlandfreundliche Länder wie Syrien, der russischen Interessensphäre und den Regionalmächten wird mit dem Blut der lokalen Bevölkerung, und zu einem geringen Teil mit EU-Finanzen bezahlt. Weiterlesen