Der Krieg um den Planet der Affen und ihr Urheberrecht

Endlich Frieden auf dem Urheberrechtsplaneten! Die Tierrechtsorganisation PETA hat die Klage gegen den Fotografen David Slater (hier und hier im 11k2) zurückgezogen. Letzterer hatte das Urheberrecht auf Affenselfies im indonesischen Urwald für sich beansprucht, Wikipedia auf Löschung der Bilder verklagt und ein schönes Makakenselfiebilderbuch herausgebracht. Von dessen Einnahmen wird Slater ein Viertel für die Erhaltung des Affenurwalds abgeben, und die Urheberrechtsfrage ist ein für alle Mal geklärt: Affen haben keines, gegenständige Daumen hin oder her. Pech. Deswegen sind die mit Davids Kamera geknipsten Portraits auch in der Public Domain, jeder kann sie verwenden, auch David für sein Buch (oder auch jeder andere, für andere Bücher). Ein Sieg der Vernunft, und ein seltener Schlag gegen die Landnahme des Geistigen, die gerne alles und jedes zu geistigem Eigentum erklären möchte, welches sich am Ende doch im Keller der besitzenden Klasse ansammelt. Wo es niemandem nützt. Dann lieber im Affenurwald. via ars technica

Den Haag, Mondrian und die Industrialisierung des Geistigen

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Die Stadtverwaltung von Den Haag hat sich, in Erinnerung an einhundert Jahre „De Stijl“ Design, ein Mondrian Makeover zugelegt. Das sieht wirklich hübsch aus an der weissen Rathausfassade, schwarze Balken und Primärfarbenflächen aus Kunststoff­klebefolien. Und die Halbmillionenstadt konnte sich die Appropriation eines der zentralen 20th-Century-Maler sogar leisten. Weil der gute Piet eben 1944 final den Pinsel weggelegt hat, und deswegen das Urheberrecht an seinem Werk im Jahr 2014 ausgelaufen ist. Weiterlesen

Wir werden bestohlen, während wir zusehen: Neue Internetgesetze

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Während sich die Leute hier noch den Kopf darüber zerbrechen, ob irgendwelche Syrer oder Eritreer irgendeinen Einfluss auf dieses Land hätten oder ob man Sachsen unter psychiatrische Aufsicht stellen muss, werden in Brüssel neue Gesetze erfunden, damit sehr grosse Unternehmen mehr Geld von uns allen bekommen, ohne dafür auch mehr leisten zu müssen. Ich erklär das mal genauer. Zunächst ist es wichtig, zu erwähnen, dass nicht irgendeine gesichtlose EU-Bürokratie schlimme Dinge erfindet, sondern dass ein abgehalfterter deutscher Politiker dahinter steckt. Der seinen Landesministerpräsidentenjob damals aufgeben musste, weil er mehr­fach einen NSDAP-Richter aus seiner Heimatgegend gelobt und in Schutz genommen hatte. Der dann nach Brüssel in die EU-Kommission abgeschoben wurde, weil er ja nur im Inland peinlich geworden war, ansonsten aber erstklassige Kevlarqualitäten aufweist: Seit er zuerst EU-Kommissar für Energie, dann für Digitale Wirtschaft wurde (jeweils auf Betreiben unserer Bundesregierung), setzt er sich massiv für die Interessen der grossen Unternehmen ein und zeigt dabei kein Peinlichkeitsempfinden. Ein Mann ohne Gewissen: Günther Oettinger. Weiterlesen

Sackgassen der Zivilisationsentwicklung: Leistungsschutzrecht

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Das Leistungsschutzrecht ist eine ziemlich neue Erfindung, die auf der Vorstellung aufbaut, dass Suchmaschinen und andere Webseiten Geld bezahlen müssten, wenn sie Überschriften und Satzanfänge von anderen Webseiten beim Suchergebnis abbilden. Beim Entwickeln dieser Vorstellung hat man sich natürlich durch das Urheberrecht inspirieren lassen, das aber ganz klar sagt: „Nur ganze geistige Werke kann man schützen. Ideen nicht, und Überschriften auch nicht. Und es gibt ein Zitatrecht.“ Deswegen musste man auch ein eigenes Recht dafür erfinden, um von Suchmaschinen oder anderen Geld verlangen zu können. Weiterlesen

Bundesregierung will Urheberrecht weiter verschlechtern

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Während wir uns Sorgen machen, wo denn alle die Flüchtlinge untergebracht werden sollen (was eigentlich kein Problem wäre) und wie man mit den neuen Naziverstehern umgehen soll (die allerdings wirklich ein Problem darstellen) wird das Klima für Künstler und alle Fans und Konsumenten von Musik, Film, Games, Büchern, Zeitungen kälter. Zumindest wenn die Bundesregierung mit ihrem Gesetzentwurf durchkommt. Weiterlesen

Copyright auf Autos, mit allen Nachteilen

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Der Fall ist eingetreten, vor dem digitale Bürgerrechtsaktivisten jahrelang gewarnt haben (und weswegen sie sogar eine eigene Partei gegründet haben). Das Copyright, eigentlich ein gewerbliches Schutzrecht, das sich auf wirtschaftliche Verwertung von geistigen Werken bezieht, wurde in den letzten Jahren auf die private Nutzung ausgedehnt. Das heisst, Copyrightinhaber (vor allem Konzerne, aber auch Künstler und Privatleute) behaupteten so lange, über jede beliebige private Nutzung bestimmen zu können (nicht nur die gewerbliche), bis dieser Gedanke allen vertraut vorkam. Weiterlesen

„Happy Birthday“ ist endlich frei

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Das weltbeliebteste Geburtstagslied „Happy Birthday“, auch in Übersetzung, kostete bisher bei jeder öffentlichen Aufführung Tantiemen. Weil der Verlag Warner/Chappell nach Eigenangaben die Rechte an dem von Mildred and Patty Hill im späten 19. Jahrhundert geschriebenen Song besass. Jetzt urteilte ein Bezirksgericht im son­nigen Kalifornien, dass die Rechte hinfällig seien und der Song daher gemein­frei. Weiterlesen